Pfarrer Karl Sendker

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1. Advent A
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Predigten

Predigtverzeichnis  nach Bibelstellen geordnet

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Predigt zur 1. Lesung:   Jes 2,1-5

Predigt zur 2. Lesung:   Röm 13,11-14a

Predigt zum Evangelium:    Mt 24,37-44

Predigttext:  Jes 2,1-5

 

Dies ist die 1. Predigt einer fünfteiligen Predigtreihe mit dem Thema: "Bilder der Hoffnung"

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Vielleicht erinnern Sie sich noch. Es ist zwar inzwischen schon einige Jahre her, aber die Älteren müssten sich eigentlich daran noch gut erinnern können: Wie am Anfang der achtziger Jahre mit der Parole aus dem Propheten Jesaja „Schwerter zu Pflugscharen“, wie mit dieser Parole tausende und zehntausende Menschen aus der so genannten Friedensbewegung auf die Straße gingen. „Schwerter zu Pflugscharen“!“ Das war die Parole, die sie auf ihre Fahnen geschrieben hatten, die sie auf Transparenten vor sich her trugen, die sie lauthals allen verkündet haben. „Schwer dazu Pflugscharen!“ Das war die Aufforderung an die Mächtigen der damaligen Zeit endlich abzurüsten, mit dem Wettrüsten ein Ende zu machen. „Schwerter zu Pflugscharen!“ Das war damals auch die Aufforderung an tausende junger Männer, den Kriegsdienst zu verweigern und statt dessen einen Ersatzdienst zu leisten. „Schwerter zu Pflugscharen!“ Das war der große Appell an alle, sich einen Sitzblockaden zu beteiligen, damit Raketen nicht stationiert werden konnten. Es war das große Schlagwort der damaligen Zeit: „Schwerter zu Pflugscharen!“

 

Nun sind seit dieser Zeit schon einige Jahre und Jahrzehnte vergangen. Was ist daraus geworden, aus dieser Bewegung mit dem Schlachtruf „Schwerter zu Pflugscharen!“? Gut, es sind damals Raketen abgerüstet worden. Aber Frieden gibt es seit dieser Zeit auch weiterhin nicht. Der Krieg greift immer weiter um sich. Krieg, Anschläge Terror und Attentate weiten sich aus in einem Maße, dass es einen das Fürchten lehren könnte. Ich denke an die vielen Terroranschläge aus dem islamischen Raum, die gerade heute viele Menschen in Angst und Schrecken versetzen. Schwerter zu Pflugscharen! Man hat damals einen Appell losgelassen, aber dieser Appell hat im Letzten nichts Grundlegendes bewirkt.

 

Der Prophet Jesaja kommt uns heute in der Lesung mit dem gleichen Schlagwort. Und es war damals offensichtlich ein allgemeines Schlagwort und nicht nur eine Wortschöpfung des Propheten Jesaja. Das zeigt sich daran, dass dieses Wort „Schwerter zu Pflugscharen“ wörtlich auch beim Propheten Micha vorkommt. Man spürt, dass dieses Schlagwort damals zu Zeit der großen Propheten offensichtlich in aller Munde war. Es wirkte auch damals wie ein Schlachtruf: „Schwerter zu Pflugscharen!“ Vordergründig gesehen, scheint es der gleiche Appell zu sein wie in unseren Tagen bei der Friedensbewegung. Aber das stimmt so nicht.

 

Äußerlich sagt der Prophet Jesaja fast genau das Gleiche. Und doch unterscheidet sich sein Ruf „Schwerter zu Pflugscharen“ in einem winzigen, aber entscheidenden Punkt. Die Friedensbewegung hat einen Appell losgelassen, hat eine Aufforderung ausgesprochen. Das tut der Prophet Jesaja nicht! Das tut Gott nicht, der ja durch den Propheten spricht. Gott erlässt nicht einen Appell, weil Gott genau weiß: Er kann noch so viele Appelle erlassen, dass wir unsere Schwerter umschmieden zu Pflugscharen. Wir schaffen das einfach nicht. Daher formuliert der Prophet Jesaja in einem winzigen Punkt anders.

Ich lese ihnen noch einmal den Text vor: „Er, nämlich Gott, spricht Recht im Streit der Völker. Er weist viele Nationen zurecht. Dann werden sie ihre Schwerter umschmieden zu Pflugscharen. Dann werden sie Winzermesser aus ihren Lanzen machen. Dann wird man nicht mehr für den Krieg üben, das heißt, man wird nicht mehr ins Manöver ziehen. Dann wird nicht mehr ein Volk gegen das andere das Schwert ziehen.

Hier geht es nicht um moralische Appelle, nein, hier kündigt Gott etwas an: Es wird einmal der Tag kommen, da wird man nicht mehr für den Krieg üben, da wird man die Schwerter umschmieden zu Pflugscharen. Und da wird Frieden sein auf Erden. Das kündigt Gott an. Gott erlässt nicht einen Appell, sondern er kündigte es an als eine Verheißung Und wenn Gott in der Heiligen Schrift etwas angekündigt hat, dann hat er es immer gehalten.

 

Wir wollen einmal genauer hinschauen. Was sind denn die Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit das so Realität wird: „Schwerter zu Pflugscharen“? Da sagt Gott durch den Propheten Jesaja: „Gott spricht Recht im Streit der Völker. er weist viele Nationen zurecht.“ Das heißt mit anderen Worten: Wo Menschen Gott als die letzte Instanz anerkennen, wo er Recht sprechen darf, wo er wie ein Schiedsrichter die Nationen zurechtweisen darauf, wo Menschen anerkennen, dass Gott die letzte Instanz ist, der wir uns beugen, da wird es Wirklichkeit, dass man Schwerter umschmiedet zu Pflugscharen.

Heute gibt es noch zu viele Menschen, die nur sich selbst als die letzte Instanz anerkennen: Was ich für richtig halte, das ist auch richtig. Und wenn du das anderes siehst als ich, und wir kommen nicht überein, dann gibt es Krach. Und wenn Völker nach dem gleichen Prinzip leben: Wir sehen das so, und ihr seht das ganz andere, und wir kommen nicht überein, dann gibt es Krieg. Das ist die Not, die wir haben.

Aber es nützt nichts, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. Unser Beitrag zum Friedensdienst liegt darin dass wie im Kleinen anfangen. Dass wir Gott als die letzte Instanz unseres Lebens anerkennen. Dass wir uns seinem Wort beugen, auch wenn wir anderer Meinung sind. Dass wir danach fragen: Gott was möchtest du in dieser Angelegenheit? Und deiner Weisung, deinem Urteil, deiner Zurechtweisung beugen wir uns. Wo Menschen in dieser Grundhaltung leben, im Kleinen, etwa eine Familien, da wird Frieden gestiftet. Wenn Gemeinden das tun, da wird die Spaltung überwunden. Wo Völker das zur Richtschnur ihres Handelns machen, da braucht man nicht mehr für den Krieg üben. Da braucht man nicht mehr das Schwert zu ziehen. Es entsteht Frieden, wenn wir uns der Weisung Gottes unterwerfen.

 

Noch etwas hat Gott in diesen Text angekündigt in einem großen Bildwort. Da sagt Gott: „Am Ende der Tage wird es geschehen: der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge. Er überragt alle Hügel.“ Der Berg mit dem Haus des Herrn ist der Tempelberg. Und das Haus des Herrn, der Tempel, ist der Ort, von dem Gott gesagt hatte: Dort will ich meinen Namen wohnen lassen. Dort ist meine Gegenwart erfahrbar. Dort will ich mein Angesicht über euch leuchten lassen. Es ist der Ort der Gegenwart Gottes. Und diese Gegenwart Gottes ist fest gegründet.

Da heißt es hier im Text: Viele Völker strömen hin zu diesem Berg, weil sie die Gegenwart Gottes suchen. Und die Nationen, die Heiden, machen sich auf den Weg und sagen: „Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn, zum Haus des Gottes Jakob. Er soll um seine Wege zeigen. Auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn vom Berg des Herrn, vom Zion, ergeht die Weisung des Herrn, und aus Jerusalem kommt sein Wort.“

Die Menschen wollen spüren, dass das Wort Gottes gelehrt und gelebt wird, dass die Weisungen Gottes in der Heiligen Schrift nicht belangloses Gerede von früher sind.

Aber überlegen Sie einmal: Menschen, die uns heute Weisung geben wollen, was ist denn mit denen? Wenn du die Politiker hörst: Was sie heute sagen, ist morgen schon nicht mehr gültig. Die Wissenschaftler: Was sie gestern als gesicherte Erkenntnis gelehrt haben, das ist morgen schon überholt. Und die Philosophen, ob das Sozialisten sind oder Humanisten, alle haben sie auf die letzten Fragen des Lebens keine letzten Antworten.

Aber der Mensch braucht solche Weisung Und irgendwann entdeckt man plötzlich: Die Weisung für unser Leben, auf die man sein Leben bauen kann, die kommt von Gott. Und das Wort Gottes gilt.

Beim Propheten Sacharja ist das einmal in einem sehr plastischen Bild ausgedrückt. Da heißt es im 8. Kapitel: „So spricht Jahwes Zebaoth: An jenen Tagen wird es geschehen, dass vier Männer aus allen Völkern einen Mann aus Juda beim Rockzipfel greifen. Und sie sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gespürt, dass Gott mit euch ist.“ Wenn man das wieder spüren kann, dass die Weisung Gottes uns Kraft gibt, dass sie uns festen Boden unter den Füßen vermittelt, danach sehnen sich die Menschen. Und dann werden sie sagen: Das möchten wir auch haben. Lasst uns mit euch gehen. Wir spüren: in eurer Mitte ist Gott

 

Wir stehen am Anfang des Advent. Der Advent ist nicht, wie man es manchmal heute denken könnte, eine Angelegenheit für ein paar stimmungsvolle Stunden um den Adventskranz. Es ist auch nicht die Zeit, wo im Mittelpunkt der Weihnachtsbasar steht oder das Glühwein trinken. Dazu ist der Advent bei uns ja fast verkommen. Nein, Advent heißt: Ankunft, Ankunft des Herrn. Im Advent geht es darum, dass Gott, dass Jesus bei uns heute, hier in unseren Tagen wieder ankommen kann. Darum geht es. Und wo Menschen das spüren, wo Außenstehende das spüren, dass Gott bei uns wieder an kommt, dass er in unserer Mitte lebendig ist, wo man das spüren kann an der Art und Weise, wie wir Gottesdienst feiern, wo man das aber auch spüren kann an der Art und Weise, wie wir unser ganz praktisches, alltägliches Leben gestalten, da sagen die Menschen: Das möchten wir auch haben. Lasst uns mit euch gehen. Denn in eurer Mitte ist Gott.   Amen.

      

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Predigttext:   Röm 13,11-14a

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Wach sein alleine genügt nicht. Wenn man morgens aus dem Bett aufstehen will, dann genügt es nicht, wach zu sein, sondern dann muss man eine Entscheidung treffen. Das ist jedenfalls bei den meisten Menschen so.

Ich kann mich noch gut erinnern. Als sich ein kleiner Junge war und zur Grundschule ging, da schlief ich damals nach dem Krieg mit meinem Bruder zusammen noch in einem Bett. Morgens kam Mutter normalerweise und weckte uns. Und dann hieß es für uns: Aufstehen. Ich erinnere mich: Eines Morgens, wir waren beide schon wach, wir schauten auf die Uhr, dann sagte mein Bruder zu mir: „Wenn Mutter uns nicht bald weckt, dann verschlafen wir uns.“

Da muss man eine Entscheidung treffen, aufzustehen. Wach sein allein genügt nicht.

Heute ist das bei vielen genau so. Wenn morgens der Wecker geht, dann drückt man die Schlummertaste. Und dann hast du vielleicht noch eine Viertelstunde oder 10 Minuten: Noch ein bisschen schlafen, noch ein bisschen Dösen.

Aber eins ist auch sicher, das kennen die meisten auch: Wenn man von dieser Schlummertaste zu häufig Gebrauch macht (Es ist noch so schön warm im Bett, Noch ein bisschen weiter schlafen, gerade jetzt in der kalten Jahreszeit.), dann wird man, auf bayrisch gesagt, „schlafdamisch“. Oder ein unserer Sprache gesagt: Dann kommst du nicht mehr in die Gänge. Den ganzen Tag ist das dann irgendwie, als wenn man wie gelähmt ist. Man kommt einfach nicht in die Gänge. Man bekommt den Schlaf nicht aus den Gliedern heraus. Das ist der Nachteil, wenn man von der Schlummertaste zu intensiven Gebrauch macht.

 

Heute, am Beginn der Adventszeit, sagt uns der Apostel Paulus in der Lesung aus dem Römerbrief: „Bedenkt die gegenwärtige Zeit! Die Stunde ist gekommen, vom Schlaf aufzustehen.“ Da muss man auch eine Entscheidung treffen. Und ich habe manchmal den Eindruck, wenn ich in  mein eigenes Christenleben hinein schaue und in das Christenleben vieler anderer Christen, dass wir nicht mehr richtig in die Gänge kommen. Gut, irgendwann hat man einmal für Jesus gebrannt, vielleicht bei der Erstkommunion, bei der Firmung oder zu einer anderen Gelegenheit. Aber dann ist das Christenleben so alltäglich geworden. Gut, man betet noch, aber ich kann mich noch gut erinnern: Bei uns zu Hause ging das oft so: Da haben wir vor dem Essen zu Tisch gebetet, und zwei Minuten später hat mein Vater schon gefragt: „Haben wir eigentlich schon gebetet?“ Da merkt man, das Tischgebet war eigentlich an ihm vorbei gerauscht. Es plätschert einfach alles so dahin.

Und da fordert uns Paulus auf: Ihr müsst eine Entscheidung treffen. Es ist die Zeit, aufzustehen! Es ist die Zeit Entscheidungen zu treffen.

 

Aber was für den Einzelnen gilt, das gilt auch weitestgehend für unsere Pfarrgemeinden. Das Leben in den Pfarrgemeinden plätschert so dahin. Es hat oft gar keine Höhepunkte mehr. Natürlich, die Gottesdienste finden statt, werden vielleicht auch gut besucht, aber sind das denn noch Höhepunkte unseres Glaubenslebens? Und das gleiche gilt für die Kirche als ganze auch. Aber wenn das Leben als Christen keine Höhepunkte mehr hat, wenn es nicht mehr aus einer bewussten Entscheidung heraus gelebt wird, dann wird so ein Christenleben furchtbar langweilig. Da darf man sich nicht wundern, wenn viele Leute sagen: Es lohnt sich gar nicht mehr, dahin zu gehen. Da bleiben wir lieber weg. Das ist auf die Dauer tödlich.

 

Und da sagt uns Paulus: Die Stunde ist gekommen, aufzustehen aus dieser Schläfrigkeit, aus diesen Trott. Und ob man nicht vielleicht am Beginn dieser Adventszeit wirklich einmal einen bewussten Akt setzt und sagt: Ich will in dieser Adventszeit eine Entscheidung treffen. Aber wofür denn eine Entscheidung? Oder wogegen denn eine Entscheidung?

Da sagt Paulus in unserer Lesung aus dem Römerbrief: „Lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die die Waffen des Lichtes.“ Und dann sagt er ganz konkret: Triff eine Entscheidung gegen maßloses Essen und Trinken, gegen Unzucht, gegen Streit, gegen Eifersucht. Das sind ja ganz alltägliche Dinge bei uns.

Es lohnt sich, zu Beginn der Adventszeit darüber nachzudenken: Muss ich in meinem Leben in dieser Hinsicht eine neue Entscheidung treffen? Ich will mich dagegen entscheiden, dass Essen und Trinken über mich Gewalt bekommen. Paulus meint ja nicht, dass man nicht mehr gut essen darf. Christus auch nicht in ein Weinglas gespuckt, wenn auf der Hochzeit zu Kana Wein getrunken wurde. Darum geht es nicht. Es geht darum, dass maßloses Essen und Trinken nicht so dominierend wird in unserem Leben, dass unser Geist für andere Dinge gar nicht mehr empfänglich ist und gar nicht mehr wach ist.

Oder der andere Aspekt: Streit und Eifersucht. Wie machen Streit und Eifersucht unser Leben kaputt, unser ganz alltägliches Zusammenleben. Und da rutscht man so schnell rein und manchmal weiß man gar nicht, wie man da rein gerutscht ist. Und vor allen Dingen: weiß man gar nicht mehr, wie man da rauskommen soll.

Ob es sich nicht lohnen würde, am Anfang der Adventszeit eine Entscheidung zu treffen, aufzustehen und zu sagen: Ich will ausbrechen auf dem aus dem Trott und ich will Neuanfang, vielleicht auch wieder einmal einen neuen Anfang in einer Beichte.

 

Am Ende unserer Lesung wird noch ein positiver Aspekt aufgezeigt: „Legt als neues Gewand den Herrn Jesus Christus an.“ Hier wird der Zielpunkt jeder Entscheidung deutlich. Das Ziel ist nicht, dass wir ein paar Korrekturen an unserem Leben anbringen, sondern das Ziel ist Christus selber. IHM möchte ich ähnlich werden. Ich möchte mich wieder neu auf IHN ausrichten. Dafür treffe ich eine bewusste Entscheidung. Auch das ist zum Beginn der Adventszeit für uns dran. Überleg einmal, wo in deinem Leben die bösen Dinge sind. Das ist ja nicht bei jedem gleich. Und entscheide dich bewusst gegen das Böse! Und entscheide dich für ein christusförmiges Leben, wo Jesus Christus der Maßstab deines Lebens wird.

 

Aber dieses letzte Bild, legt den Herrn Jesus Christus wie ein Gewand an, hat noch eine tiefere Dimension. Da ist nämlich Bezug genommen auf unsere Taufe. Bei uns ist das in der Regel so: Fast alle von uns sind als kleine Babys getauft worden. Und dann ist man so in diesen christlichen Trott mehr oder weniger hineingewachsen. Man kann gar nichts dafür. Das ist einfach eine Tatsache.

Aber ob es sich nicht lohnen würde, auch hier einmal aufzustehen, das heißt eine bewusste Entscheidung zu treffen: Ich möchte das, was damals meine Eltern und Paten bei der Taufe für mich stellvertretend versprochen haben, ich möchte das ganz persönlich auch einmal erneuern und gleichsam ratifizieren. Eine bewusste Entscheidung für die Taufe, die damals unbewusst an mir vollzogen worden ist. Es lohnt sich, auch in dieser Hinsicht ein Stückchen Entschiedenheit in unser Leben einzubringen. Aufzustehen; auszubrechen aus dem christlichen Trott.

 

Morgen wird in der Familienmesse ein Kommunionkind aus unserer Gemeinde getauft. Als wir für dieses Kommunionkind das Taufgespräch hatten, da habe ich mit den Eltern auch darüber gesprochen, warum sie ihr Kind taufen lassen möchten. Im Gottesdienst werden sie ja danach gefragt. Und das sagt das Kommunionkind, das beim Taufgespräch dabei war: „Warum darf ich das nicht selber sagen, warum ich getauft werden will?“

Da hat dieses Kind etwas ganz Wesentliches ausgesprochen. Es ist gleichsam wie eine Einladung an uns alle: Warum tun wir das sich selber einmal, was damals die Eltern stellvertretend für uns gesagt haben: eine Entscheidung treffen für Jesus Christus.

Glaub mir: Unser eigenes christliches Leben, unser Leben als Pfarrgemeinde und unser Leben in der Kirche wird anders weiter gehen, wenn wir diese Aufforderung des Apostels Paulus beherzigen: „Bedenkt die gegenwärtige Zeit. Die Stunde ist gekommen, aufzustehen von Schlaf.“  Amen

 

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Predigttext: Mt 24,37-44

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Da fängt einer an, mitten auf dem trockenen Land ein Schiff zu bauen, nicht ein kleines Modellschiff, sondern ein riesiges Schiff, mitten auf dem trockenen Land. Hunderte von Kilometern ringsum kein Wasser. Und dann kommen die Leute und fragen: „Noah, sag mal, was machst du da eigentlich?“ „Ich baue ein Schiff.“ „Wieso baust du ein Schiff mitten auf dem trockenen Land?“ Noah blickt nach unten und sagt: „Gott hat zu mir gesprochen und er hat zu mir gesagt ich soll ein Schiff bauen“. Und die anderen, die vor ihm stehen, grinsen und sagen: „Ach so, Gott hat zu dir gesprochen ...“ Und dann drehen sie sich um und fangen an zu kichern. Gott hat zu ihm gesprochen. Na ja, ein bisschen verrückt war der ja immer schon, aber jetzt hat er durchgedreht. Gott hat zu ihm gesprochen. Dann gehen sie zurück ins Dorf, und es dauert keine zwei Stunden und Noah ist zum Gespött des ganzen Dorfes geworden. Gott hat zu ihm gesprochen. Und dann kommen die Priester und die Theologen zu ihm und sagen zu ihm: „Hör mal Noah, was erzählt man da im Dorf, Gott hat zu dir gesprochen?“ Und Noah gibt zur Antwort: „Ja, Gott hat gesagt, dass er eine große Flut kommen lässt.“ Und die Theologen nicken und sagen: „Ja, ja Noah das wissen wir wohl; das steht schon im Gilgamesch Epos. In allen Märchen und Mythen der Völker kommt irgendwo eine große Flut vor. Aber das sind doch Mythen, das ist doch keine Wirklichkeit. Da brauchst du doch kein Schiff zu bauen.“ Da sagt Noah zu ihnen: „Aber Gott hat gesagt: Die Welt ist so sündig geworden und so verdorben, dass er durch eine Flur die ganze Welt vernichten will.“ Da hätten sie mal die Priester sehen sollen; die sind auf die Barrikaden gegangen. „Noah, du hast ein völlig falsches Gottesbild. Gott ist ein barmherziger Vater. Du kannst doch nicht erwarten, dass dein Gott die ganze Welt richtet. Bist du denn der Meinung, dass du der Einzige bist, der gerecht ist? Dein Gottesbild ist längst überholt. Wir haben doch keine Drohbotschaft, wir haben doch eine frohe Botschaft zu verkünden. Noah, was bildest du dir eigentlich ein!“ Und Noah sagt zu ihnen: „Aber Gott hat zu mir gesagt, dass er die Welt richten wird.“ „Ja,“ sagen die Theologen, „das ist schon richtig; Gott wird die Welt richten. Aber weißt du, was ‚richten’ bedeutet? Richten, das bedeutet ‚aufrichten’ und nicht vernichten.“ Und dann haben sie den Noah aus ihrer Glaubensgemeinschaft ausgeschlossen. „Geh doch zu den Sektierern. Das kann man doch nicht mit anhören, was du da erzählst. Und Noah hat weitergebaut.

Natürlich hat es auch andere Leute gegeben. Da waren im Dorf von Noah einige, die haben gesagt: Der Noah ist eigentlich ein ganz anständiger Kerl. Als wir unsere Hütte damals gebaut haben, da hat er uns auch geholfen. Dann helfen wir ihm jetzt auch. Wir sehen zwar nicht ein, was das soll. Aber gut, in unserer Freizeit helfen wir ihm. Und sie haben nach ihren Kräften mitgebaut an der Arche.

Dann hat es auch Leute gegeben, die sehr wohlwollend waren. Sie haben gesagt: „Endlich mal einer, der es den Leuten mal deutlich sagt, wie schlecht die Welt heute ist. Noah du hast Recht, dass du den Leuten mal die Leviten liest!“ Aber dann kommt der Tag, an dem Noah diesen Leuten sagt: „Ich gehe jetzt in die Arche, in das Schiff. Geht ihr mit?“ Und dann schauen die ganzen Befürworter und alle, die mitgeholfen haben, ganz verlegen zu Boden. Dann stammelt der eine: „Ach weißt du, ich bin gerade dabei, meine Hochzeit vorzubereiten.“ Der andere sagt: „Ich muss Alpenveilchen verkaufen auf dem Weihnachtsmarkt.“ Und jeder hat irgendwas als Entschuldigung; aber keiner geht mit in die Arche rein, außer Noah mit seiner Familie.

Und dann kommt die Flut über alle, arm und reich, jung und alt, Priester, Theologen und Arbeiter, auch die, die es befürwortet haben und die mitgebaut haben. Und Jetzt war einzig die Frage entscheidend: Wer ist drinnen und wer ist draußen? Sehen Sie, diese Flut, Sintflut wie wir sie nennen, ist nicht der Weltuntergang. Aber überlegen Sie mal, ich habe in dieser Woche noch ein längeres Gespräch geführt, wo ein Mann, ein Geschäftsmann, total am Ende war,. Der sagte mir dann: „Für mich ist in der letzten Woche eine Welt zusammengebrochen. Ich stehe vor einem Trümmerhaufen.“ Was bedeutet denn so eine Redensart? Der war am Ende, für den war eine Welt zusammengebrochen. Ich stehe vor einem Trümmerhaufen.

Und was sagt Jesus im Evangelium: „Wenn der Menschensohn wiederkommt, dann wird es genau so sein wie in den Tagen Noahs. Die Menschen essen und trinken und heiraten, und sie ahnten nichts bis zu dem Tag, an dem die Flut kam und alle wegraffte. So wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein.“ Kann es sein, dass wir heute einfach gedankenlos in den Tag hineinleben? Erstens: Von der Wiederkunft Christ glaubt ja sowieso keiner mehr etwas. Das ist ja auch schon zweitausend Jahre her, damit rechnet doch keiner mehr.

Zweitens: Dass es ein Gericht Gottes geben soll auf dieser Welt, das passt überhaupt nicht zu unserem Gottesbild, genau wie damals. Aber das Evangelium sagt uns: Es wird ein böses Erwachen geben für Menschen, die so in den Tag hineinleben. Und dann ist es ganz egal, ob das viele sind oder wenige, die das glauben. Da ist nicht die Mehrheit entscheidend, sondern die einzig entscheidende Frage ist: Gehörst Du durch dein persönliches Bekenntnis zu Jesus Christus oder nicht? Bist du drinnen, oder bist du draußen. Und dann zählt letztlich auch nicht die Frage, ob du jeden Sonntag in die Kirche gegangen bist, weil das ja zum Sonntag dazugehört. Sondern dann zählt nur dieses eine: Ist Jesus dein persönlicher Erlöser, deine Arche, in die du dich flüchten kannst, alles andere wird dann unbedeutend sein.

Sehen sie, ich bin ein großer Wagnerfan. Die Opern von Richard Wagner, die für viele sehr schwer sind, habe ich unheimlich gerne und besonders den Zyklus: ‚Der Ring des Nibelungen’ mit seinen vier Opern. Und ich habe in diesem Sommer im Fernsehen eine Inszenierung gesehen von den Bayreuther Festspielen von der ‚Götterdämmerung’ in der Inszenierung von Harry Kupfer. Am Ende dieser letzten von den vier Opern bricht die ganze Welt zusammen in einem großen Weltenbrand. „Himmel und Erde werden vergehen.“ Da ist der Götterhimmel zusammengebrochen, die ganze Erde bricht zusammen in einem riesigen Weltenbrand. Und es ist immer sehr interessant, wie ein Regisseur das auf der Bühne darstellt. Bei der Inszenierung von Harry Kupfer hat es mich im tiefsten Mark getroffen: Als im Hintergrund auf der Bühne bei den Bayreuther Festspielen der Weltenbrand stattfindet und die ganze Welt zusammenstürzt, da kommen vorne, im Vordergrund auf der Bühne, Leute mit Sektgläsern in der Hand, bringen ein Fernsehgerät mit und feiern eine Party. Hinten geht die Welt kaputt, und vorne feiern sie eine Party. Ist das vielleicht unsere gesellschaftliche Situation heute? Hinten geht die Welt kaputt, und wir machen einen Weihnachtsmarkt eine Party. „Lasst uns froh und lustig sein.“   Amen.

 

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