Pfarrer Karl Sendker

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Predigt zur 2. Lesung:   Hebr 12,1-4

 

Predigttext:    Hebr 12,1-4

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Stellen Sie sich einmal vor, sie wären Maler, ein Künstler, der ein Bild malen soll. Und Sie bekommen als Maler den Auftrag, einen Christen zu malen. Ohne Heiligenschein, ohne Sprechblasen, und trotzdem soll jeder, der das Bild anschaut, sofort merken können: das ist ein Christ. Wie würden Sie den malen?

 

Ich habe das einmal vor einigen Jahren versucht mit Messdienern. Die haben einen Christen gemalt. Einer hatte sich das ganz einfach gemacht: Er malte einen Mann mit einem Schild vor dem Bauch, auf dem stand: Ich bin ein Christ. Aber so war das nicht gemeint. Ein anderer hat eine Frau gemalt, die auf einer Kniebank kniet, vor sich ein Gebetbuch, hält den Kopf etwas schräg und schaut mit einem frommen Augenaufschlag nach oben. Wieder ein anderer hat ein Krankenbett gemalt, wo jemand einem Kranken die Hand hält. Einer hat ein Kreuz gemalt und einen langen Weg zu dem Kreuz hin. Ein Mann hat eine ganze Reihe von Menschen mitgenommen auf diesem Weg zum Kreuz.

Wie würden Sie einen Christen malen?

 

Wenn wir den Apostel Paulus beauftragen würde, er solle einen Christen malen, dann würde Paulus ohne zu zögern den Pinsel nehmen und würde anfangen zu malen. Und wir wissen ziemlich genau, wie Paulus einen Christen malen würde. Es gibt ein Bild, das Paulus in seinen Briefen immer wieder für den Christen gebraucht. Das ist das Bild vom Sportler, noch genauer gesagt, von einem Langstreckenläufer.

Beispielsweise schreibt er im ersten Korintherbrief: „Wisst ihr nicht, dass die Läufer in der Rennbahn alle laufen, aber das nur einer den Preis erringt? Lauft so, dass ihr ihn bekommt.“ Und auch in der Lesung aus dem Hebräerbrief, die wir gerade gelesen haben, heißt es: „Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist. Und lasst uns hinblicken auf Jesus, den Urheber und Vollender unseres Glaubens.“ Immer wieder bei Paulus dieses Bild vom Sportler, vom Läufer im Stadion. Wir wollen uns das würde heute einmal anschauen. Was hat nach dem Apostel Paulus ein Christ mit einem Sportler gemeinsam?

 

Hier schreibt Paulus als Erstes: „Lasst uns die Fesseln der Sünde ablegen.“ Ich glaube es gibt keinen einzigen Läufer in der Rennbahn, der mit Fußfesseln läuft. Das wäre ein Unding. Wenn wir als Christen in unserem Wettkampf laufen wollen, dann müssen wir Sünde ablegen, weil Sünde wie eine Fußfessel ist, die uns im Laufen behindert.

 

Ein Zweites, was wir ablegen müssen ist Ballast. Ballast muss nicht unbedingt etwas Schlechtes sein. Ich will einmal ein Beispiel sagen. Wenn wir im Urlaub im Gebirge wandern, haben wir einen Rucksack dabei. Darin ist eine Wasserflasche, eine Brotzeit, eine Windjacke usw. Das braucht man im Gebirge. Ein Rucksack ist etwas Hilfreiches und Notwendiges. Aber hast Du schon einmal einen Läufer in der Rennbahn mit einem Rucksack gesehen? Da kann das in anderen Situationen Notwendige zum Ballast werden. Ich habe vor einigen Jahren einmal gelesen: Schwimmer, die einen Wettkampf schwimmen, rasieren sich sogar die Körperhaare ab, weil das vielleicht eine hundertstel Sekunde bringen könnte.

Legt den Ballast ab.

Es einmal ohne Bild gesprochen: Solcher Ballast kann zum Beispiel unser Lebensstandard und unser Lebensstil sein, der so üppig geworden ist, dass er uns hindert, Jesus nachzufolgen. Das ist der Grund, warum manche Menschen, zum Beispiel der heilige Franziskus, alles verkauft haben, alles dran gegeben haben. Nicht weil sie den anderen den Reichtum madig machen wollten, sondern weil Franziskus eine Berufung hatte, und für diese Berufung konnte er den Lebensstandard nicht gebrauchen; der war Ballast.

Solcher Ballast, den wir ablegen müssen, können auch Sorgen sein, die uns so furchtbar runterziehen, die wie Blei an unseren Beinen hängen. Und es wird ganz wichtig sein, dass wir eine Antwort wissen auf die Frage, wie wir in unserem Leben mit Sorgen umgehen? „Schütt die Sorgen in ein Gläschen Wein“, ist ja keine Lösung. Wir werden lernen dürfen und lernen müssen, unsere Sorgen auf Gott zu werfen.

Solcher Ballast kann auch eine falsche Freundschaft sein, die mich hindert, Jesus Christus nachzufolgen. Übrigens in diesem Zusammenhang einmal gesagt: Auch die Frage des Zölibates gehört in diesem Zusammenhang hinein. Die Ehe ist Nach dem Willen Gottes etwas ganz Großes, ein Geschenk Gottes an die Menschen, etwas Gutes. Aber es gibt auch eine Form der Berufung, wo dieses Gute, nämlich die Ehe, Ballast sein kann. Und darum gibt es die Berufung zur Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen. Nicht für alle, nicht als sein Muss. Aber wenn Gott einem Menschen eine besondere Berufung gegeben hat, dann kann eine Ehe, die eigentlich etwas sehr Wichtiges und Gutes ist, Ballast werden. Wirf allen Ballast ab.

Es gibt viele Dinge, die Ballast sein können. Man soll einmal in seinem eigenen Leben nachforschen, wo es etwas gibt, das mich hindert, zu Gott zu kommen.

 

Paulus schreibt in seinem Brief: Ein Läufer, ein Wettkämpfer lebt völlig enthaltsam. Stell Dir einmal vor: Da ist ein Nachbarschaftsfest, eine Kirmes oder ein Schützenfest. Natürlich wird auf so einer Feier getrunken, viel getrunken. Und das soll man auch nicht madig machen. Aber eins ist ganz sicher: Wenn ein junger Mann am folgenden Morgen einen wichtigen Wettkampf hat, dann geht der am Abend vorher nicht ins Kirmeszelt und lässt sich volllaufen. Das geht nicht. Er hat ein Ziel vor Augen, er will den Wettkampf gewinnen. Darum geht es Paulus hier. Er hat das Ziel vor Augen. Und er lebt auf dieses Ziel hin. Und dann wird man schon merken, dass man nicht bei jeder Party mitmachen kann. Dann wird man schon merken, dass man für dieses Ziel auf einiges oder etliches verzichten muss.

 

Paulus malt weiter: Ein Wettkämpfer bekommt den Siegespreis nur, wenn er nach der Regel gekämpft hat. In diesen Tagen beginnen wieder die Spiele der Bundesliga. Stell dir einmal folgende Situation vor: Da sind auf dem Spielfeld die Fußballspieler. Und mitten im Spiel zieht ein Spieler sein Regelbuch aus der Tasche und schaut nach, wie er sich nach der Regel jetzt zu verhalten hat. Das ist ein Unding. Das muss der vorher tun. Er muss vorher die Spielregeln kennen, und nicht erst während des Spiels nachschauen.

Aber das gilt im Geistlichen genau so. Wenn wir die Spielregeln Gottes nicht kennen, dann dürfen uns nicht wundern, dass unser Wettkampf nicht gelingt. Viele Christen kennen die Spielregeln Gottes nicht, nicht nur die Gebote, sondern auch die Verheißungen Gottes.

Übrigens, wenn Sportler einen wichtigen Wettkampf vor sich haben, denn gehen sie regelmäßig vorher ins Trainingslager. Das müssen Christen eigentlich auch. Wenn ich ihnen sage, was Trainingslager auf lateinisch heißt, dann wissen sofort, was ich meine. Trainingslager heißt auf lateinisch Exerzitien. Wir brauchen solche Trainingslager, solche geistlichen Trainingseinheiten, wo man sich intensiv auf den Glauben einlässt. Eine der großen Nöte unserer christlichen Gesellschaft in Deutschland liegt heute darin, dass für die meisten die religiöse Weiterbildung mit dem letzten Schultag aufgehört hat. Danach hat man kaum noch etwas getan, um sein Glaubenswissen zu vertiefen. Wir brauchen solche Trainingslager. Und wir dürfen uns nicht wundern, dass unser christlicher Wettkampf nicht gelingt, dass unser christlicher Lauf so mühsam und beschwerlich ist, wenn wir diese ganz einfachen Grundprinzipien nicht beherzigen.

 

Ein Weiteres: In diesen Tagen feiern wir das Fest Mariä Himmelfahrt. Im Rosenkranz beten wir in einem Gesätz: „... der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat“. Paulus schreibt im Timotheusbrief, dass für uns die Krone des Lebens bereit liegt. Nicht der Wettkampf an sich ist das Entscheidende. Sondern: für dich liegt im Himmel die Krone des Lebens bereit, der Siegeskranz. Dass ist das Ziel, auf dass wir zu gehen. Das ist unsere Berufung. Und für diesen Preis, dass wir mit Christus im Himmel herrschen dürfen, lohnt es sich, alles einzusetzen. Es gilt, die Krone des Lebens zu erlangen.

 

Und schließlich ein Letztes. Da schreibt Paulus am Anfang unserer Lesung: „Da wir eine solche Wolke von Glaubenszeugen uns haben, wollen wir den Lauf vollenden.“ Von diesen Glaubenszeugen hat Paulus im 11. Kapitel ausführlich geschrieben. Das sind in der Kirche die Heiligen, die den Lauf bereits vollendet haben. Wenn Paulus hier schreibt: „Wir haben eine solche Wolke von Glaubenszeugen um uns“, dann ist das gleichsam so, als wenn die Heiligen im Stadion auf den Rängen sitzen, auf den Tribünen, uns anfeuern und uns Mut machen: Es lohnt sich, diesen Lauf weiter zu laufen. Es lohnt sich, das Ziel vor Augen zu haben, die himmlische Berufung, das Herrschen mit Christus. Tu alles, um die Krone zu gewinnen, den Siegespreis. Das ist das Entscheidende. Amen.

 

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