Pfarrer Karl Sendker

Predigten - Hilfen zur Bibelarbeit

Gottesdienste - geistliches Leben

 

29. Sonntag B
Home Nach oben

Predigten

Predigtverzeichnis  nach Bibelstellen geordnet

Alle Predigten dieser Homepage dürfen für die Verkündigung benutzt werden.

Eine Veröffentlichung schriftlich oder auf Tonträgern ist nicht erlaubt.

Über Predigten auf Kassetten informieren Sie sich

unter dem Stichwort Kassettendienst .

Predigt zum Evangelium:   Mk 10,35-45

Predigttext:      Mk 10,35-45

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Jakobus und Johannes, das war nicht irgendwer. Sie waren Jesus nachgefolgt. Und nicht nur das. Jesus hatte sie in den Kreis der zwölf Apostel gerufen. Man könnte fast sagen, sie gehörten zur Hierarchie. Aber nicht nur das, auch innerhalb des Kreises der zwölf Apostel haben Jakobus und Johannes zusammen mit Petrus eine besondere Stellung. Sie gehören zu den Dreien, die Jesus mitgenommen hat an ganz wichtigen Knotenpunkten seines Lebens. Jakobus und Johannes waren dabei gewesen, als Jesus auf dem Berg Tabor verklärt wurde. Und als Jesus am Ölberg seinen Todeskampf kämpft, wo er um den Willen des Vaters ringt, da sind es wieder diese beiden, Jakobus und Johannes, die er neben Petrus mitnimmt. Das waren die Säulen der Jüngerschaft.

 

Diese beiden haben von Jesus einen Spitznamen bekommen, auf hebräisch „Boanerges“, das heißt: „Donnersöhne“. Und wenn die mit Spitznamen Donnersöhne geheißen haben, dann zeigt das schon, dass es bei denen wohl manchmal geknallt hat. Das erfahren wir heute im Evangelium.

Also diese beiden kommen zu Jesus und sagen ihm: „Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.“ Vielleicht war ihnen noch im Gedächtnis, dass Jesus gesagt hatte: „Bittet, und es wird euch gegeben werden.“ Und jetzt kommen sie zu Jesus: Wir haben ein Anliegen, wir haben eine Bitte: Wir möchten gerne die Ehrenplätze haben in deinem Reich. Wir möchten im Himmelreich rechts und links neben dir sitzen.

Und ich denke: Wenn man in unsere Welt hineinschaut, auch in unsere Kirche, oder wenn man in sein eigenes Herz hineinschaut, dann wird man irgendwo im tiefsten Herzen erkennen und zugeben müssen, dass vieles in unserer Welt, in unserer Kirche und auch in unserem eigenen Herzen nur ein Gerangel um Ehrenplätze ist.

Ich will ihnen dafür ein paar Beispiele sagen. Wenn in unserer Kirche, in den kirchlichen Verwaltungen, in unsren deutschen Diözesen an der Spitze der einzelnen Abteilungen oft immer noch Priester sitzen müssen, obwohl in den Gemeinden Seelsorger so dringend gebraucht werden, ob das nicht letztlich auch eine Form ist, Macht festzuhalten.

Oder ich denke an eine ganz andere Situation. In einem Dekanat stand vor vielen Jahren während meiner Kaplanszeit Dechantenwahl an. Und da war da ein Pfarrer, der war sich ganz sicher: Ich werde es, ich werde Dechant. Jahrelang hatte er darauf hin gearbeitet. Und als dann die Wahl kam, - der Dechant wird ja von den Seelsorgern des ganzen Dekanates gewählt und dann dem Bischof vorgeschlagen - da ist er es nicht geworden, da ist ein anderer Dechant geworden. Und wie hat dieser Pfarrer dann reagiert? Er hat allen Mitbrüdern die Zusammenarbeit aufgekündigt, ist zu keiner Sitzung mehr gekommen und hat sich dann schließlich nach einem Jahr versetzen lassen. Letztlich nur ein Gerangel um die Ehrenplätze.

Aber es ist nicht nur da oben in der Hierarchie so, das ist unten beim kirchlichen Fußvolk oft genauso. Da hast du als Pfarrer Einladungen verschickt zu irgendeinem Festtag. Und nun hast du einen aus der Gemeinde vergessen. Dar überhaupt keine böse Absicht, man hat einfach nicht dran gedacht, obwohl der zu den Honoratioren gehört. Ich habe das einmal erlebt, was das für Konsequenzen hat. Der Betreffende hat so bitter reagiert, derjenige, den ich vergessen hatte. Ich habe ihn einen Tag vorher noch angerufen und habe ihm gesagt: „Mensch, es tut mir leid, ich habe sie vergessen. Sie gehören natürlich dazu.“ Da hat er geantwortet: „Nein, jetzt komm ich nicht mehr, so nicht!“ Merken Sie: Letztlich ist es wieder die gleiche Grundhaltung, die dahinter steht.

Oder ich denke an die ganze Diskussion auch in der Kirchen in den letzten Jahren. Wie oft geht es darum, möglichst viele Rechte zu erkämpfen für jeden einzelnen. Wir möchten gerne was zu sagen haben.

Wissen Sie, was dadurch in die Kirche hineinkommt? Es ist genauso wir hier im Evangelium bei den Jüngern: Es entsteht Ärger, es entsteht Streit. Die anderen Apostel hören das, wie die beiden, Jakobus und Johannes, zu Jesus kommen und sagen: Wir möchten gerne die Ehrenplätze haben. Und schon gibt es Streit und Zwietracht.

Und was sagt Jesus dazu? „Ja“, sagt er, „ich weiß, dass das in der Welt so üblich ist.“ Das fängt schon bei den Schülern an der Bushaltestelle an. Wenn der Schulbus kommt, dann drängt schon jeder, um auf die hintere Sitzbank zu kommen. In der Welt ist das so üblich. Aber Jesus sagt ganz schlicht: „Bei euch soll das nicht so sein. Sondern wer bei euch groß sein will, der soll der Diener aller sein.“ Im Reich Gottes gibt es nicht das Gesetz der Ehrenplätze, sondern im Reich Gottes gilt des Gesetz des Dienens. Und das gilt für den Pfarrer genauso wie für jedes Gemeindemitglied, das gilt für Männer genauso wie für Frauen. Es geht darum zu dienen.

Und Jesus geht sogar noch eine Stufe weiter in seiner Formulierung. „Wer bei euch groß sein will, wer der Erste sein will, der soll der Sklave aller sein.“ Ein Sklave ist jemand, der kein Dankeschön bekommt. Ein Sklave wird einfach kommandiert. Das ist der Platz, der uns zukommt, dass wir uns kommandieren lassen, statt zu kommandieren.

Und wenn man dann weiterfragt, warum das ein Grundgesetz im Reich Gottes ist? Jesus diskutiert gar nicht lange darüber. Da kannst Du endlos diskutieren. Jesus sagt ganz schlicht als Begründung: „Ich, der Menschensohn bin auch gekommen, nicht um mich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen.“ Das ist alles.

Christus ist gekommen, um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele. Und wenn wir als Christen seinen Namen tragen, dann können wir diesen Namen nur zu Recht tragen, wenn auf allen Ebenen für uns dieser Maßstab gilt: Wer groß sein will, der soll der Diener aller sein. Wer der Erste sein will, der soll der Sklave aller werden.

Am nächsten Sonntag begehen wir den Weltmissionssonntag. Wie in jedem Jahr rufen uns die Bischöfe auf, unsere Spende zu geben für die Verbreitung des Glaubens. Aber glauben Sie mir: Wenn wir als Kirche in dieser Welt den Auftraghaben, zu den Menschen hinzugehen und sie zu gewinnen, - wir werden die Menschen nicht dadurch gewinnen, dass wir ihnen einen Scheck geben. Wir werden die Menschen auch nicht dadurch gewinnen, dass wir irgendwelche großen Aktionen durchführen. Es sei denn, es wird an unserem Verhalten sichtbar, dass für uns das Gesetz des Dienens gilt. Und dann hat jede Spende ihren Sinn, und dann hat jeder soziale Dienst seinen Sinn, wenn er aus dieser Haltung kommt: Ich möchte dienen, und ich möchte mein Leben hingeben. Dann erst sind wir glaubhaft für die Menschen in der Welt, aber auch in unserer Pfarrgemeinde. Amen.

 

Zurück zum Seitenanfang