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Predigt zum Evangelium: Mt 22,34-40 Predigt zum Weltmissionssonntag im MP 3 Format
Predigttext: Mt 22,34-40
Liebe Schwestern und Brüder!
Ich kann mich noch gut erinnern: Als ich noch ein kleiner Junge war, da hatte ich morgens immer Schwierigkeiten, wenn ich mein Hemd angezogen habe. Ich konnte nämlich für den richtigen Knopf nie das richtige Knopfloch finden. Ständig waren die Knöpfe verkehrt geknöpft, und dann spannt das Hemd, und dann klemmt das so, und es zwickt irgendwie, und man fühlt sich überhaupt nicht wohl. Wie oft hat mir meine Mutter dann gesagt: „Du musst aufpassen: der erste Knopf oben ist der wichtigste. Wenn du den richtig geknöpft hast, dann sind die anderen Knöpfe ganz automatisch richtig. Das ist wichtig: Du musst auf den ersten Knopf aufpassen; das ist der wichtigste.
Im Evangelium wird Jesus heute nicht gefragt, was der wichtigste Knopf ist, sondern was das wichtigste Gebot ist. Und dann sagt Jesus, und Sie werden gleich merken was es mit dem Knopf zu tun hat: Das wichtigste Gebot im ganzen Gesetz ist das Doppelgebot: „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Kraft, mit all deinen Gedanken; und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ An diesem Doppelgebot hängt das ganze Gesetz und die Propheten. Mit anderen Worten: Es ist wie bei dem Knopf: Wenn du dieses Doppelgebot drin hast, nicht im Kopf, sondern im Herzen und wenn du das praktizierst, dann läuft das christliche Leben, ich hätte beinahe gesagt, wie geschmiert.
Ich will ihnen dafür ein ganz einfaches Beispiel erzählen aus dem menschlichen Bereich, und dann noch eins aus dem religiösen Bereich. Mein Bruder, der schon tot ist, war als Kind eine furchtbare Schlampe. Wir wohnten zusammen in einem Zimmer, und dieses Zimmer war nie aufgeräumt. Er ließ alles liegen und stehen. Wenn er abends ins Bett ging, dann fing er an der Zimmertür an, sich auszuziehen. Die ganzen Klamotten lagen dann bis zum Bett auf dem Fußboden. Und weil ich der Ältere von uns beiden war, bekam ich immer zu hören: Warum ist euer Zimmer nicht aufgeräumt? Dabei war er der Schuldige. Ich kann mich gut erinnern: Mein Vater hat geschimpft, hat ihn bestraft, mein Vater hat ihm gute Worte gegeben. Er hat gesagt: „Wenn du eine Woche das Zimmer aufgeräumt hast, bekommst du fünf Mark. Das war damals viel Geld für uns Kinder. Vater hat es nicht geschafft, ihm Ordnung beizubringen. Und schließlich haben die Väter ja immer noch eine Geheimwaffe bei der Hand. Vater hat zu ihm gesagt: „Wenn du mal beim ‚Bund’ bist, da bringen sie dir schon Ordnung bei.“ Aber nicht einmal beim ‚Bund’ haben sie es geschafft, ihm Ordnung beizubringen. Wir haben dann ein Haus gebaut, jeder bekam dann ein eigenes Zimmer. Aber dann hat es einen Tag gegeben, und von dem Tag an lief das Aufräumen bei meinem Bruder wie geschmiert. Es war der Tag, als er zum ersten Mal bis über beide Ohren verliebt war, und seine Freundin ihn zu Hause besuchte. Da habe ich gespürt, welche Kraft, welche verwandelnde Kraft in der Liebe ist. Wenn du in der Liebe lebst, dann läuft vieles, was dir früher Probleme gemacht hat, scheinbar wie von selbst. Es ist wie bei dem Knopf: Wenn du den ersten Knopf richtig geknöpft hast, dann läuft es.
Das ist übrigens nicht nur im menschlichen Bereich so, das ist im religiösen Bereich auch so. Wie viele Christen stöhnen unter den vielen Vorschriften und Geboten, die man alle halten muss. Du musst, du darfst nicht, du sollst. Dann kommen sie und fragen: „Muss man denn wirklich jeden Sonntag in die Kirche gehen? Oder reicht das nicht, wenn man ab und zu mal geht, wenn man gerade Lust hat?“ Oder: „Muss man denn unbedingt zur Beichte gehen? Reicht nicht auch die Bußandacht?“ Wer so fragt, der hat ‚die Sache mit dem Knopf’ noch nicht verstanden, die Sache mit dem ersten Gebot. Wer das erste Gebot im Tiefsten verinnerlicht hat, der wird nie mehr fragen: „Muss ich denn jeden Sonntag in die Kirche gehen?“ Stell Dir einmal vor, da ist ein junger Mann, über beide Ohren verliebt in ein Mädchen, mit der er zusammen ist. Stellen Dir einmal vor, der würde das Mädchen am Sonntag fragen: „Muss ich am nächsten Sonntag wiederkommen, oder reicht das jetzt für drei Wochen?“ Vielleicht schmunzeln sie jetzt. Aber so speisen Gott wir manchmal ab. Wer verstanden hat, dass es um einen Gott geht, der mich liebt und der um meine Gegenliebe wirbt, für den werden viele Dinge, die uns manchmal so Schwierigkeiten bereiten leicht und selbstverständlich. Es hängt alles an diesem Doppelgebot.
Aber wenn dieses Gebot so wichtig ist, dann stellt sich ja die Frage: Wie schafft man das denn, Gott zu lieben aus ganzem Herzen, und den Nächsten zu lieben wie sich selbst? Ich möchte das ja wohl. Aber Liebe kann man doch nicht mit einem Gebot befehlen. Liebe kann man doch nicht kommandieren. Da ist es wichtig, dass wir den Kommentar kennen, den der Apostel Johannes in seinem ersten Brief zu diesem Liebesgebot geschrieben hat. Es ist nur ein Satz, den kann man gut behalten. Da schreibt Johannes: „Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat.“ Das heißt mit anderen Worten: Wenn ich entdecke, dass in mir keine Liebe ist zu Gott und zum Nächsten, wenn mir alles so mühsam und so schwer erscheint, dann lass dich doch einmal erst von Gott lieben. Freu dich darüber, dass Gott dich liebt, auch wenn du das nicht bringst, deinerseits Gott und den Nächsten zu lieben. Dass Gott dich auch dann noch liebt, wenn dir der Gottesdienst langweilig ist. Und wenn der Nächste dir ‚auf den Keks geht’, wenn du ihn einfach nicht lieben kannst, dann liebt Gott dich immer noch, ohne wenn und aber. Wenn du das tief in dich hinein lässt, dieses Wissen, dass Gott liebt dich, so oder so, dann provoziert diese göttliche Liebe irgendwann auch deine Gegenliebe.
Ich habe einmal Kommunionunterricht gehalten mit den Kindern aus der dritten Klasse. Da haben wir im Schulunterricht über die Stelle gesprochen, wo Jesus den Petrus fragt: „Petrus, liebst du mich?“ Sie kennen die Stelle ja. Dann kommt nach der Schulstunde ein Junge zu mir aus dem dritten Schuljahr von den Kommunionkindern und ist am Weinen. Er sagte zu mir: „Das kann ich nicht, Jesus lieben. Ich kenne ja Jesus gar nicht richtig. Wie soll ich ihn den dann lieben.“ Er war richtig traurig darüber, weil er in der Unterrichtsstunde gespürt hatte, dass das wichtig war. Dann habe ich dem Kleinen gesagt: „Jetzt pass mal auf. Mach einmal eine Woche jeden Abend folgendes: Wenn du ins Bett gehst, dann betest du jeden Abend ganz kurz nur einen Satz: „Jesus, danke, dass du mich trotzdem liebst.“ Mehr nicht. Eine Woche lang sollte er das regelmäßig beten. „Und wenn wir in der nächsten Woche wieder Religionsunterricht haben, dann sprechen wir noch einmal darüber.“ Eine Woche sollte er jeden Abend beten: „Jesus, danke, dass du mich trotzdem liebst.“ Und dann passierte Folgendes: Drei Tage später, ich lag gerade mittags um ein Uhr auf dem Sofa beim Mittagsschläfchen, da schellt es Sturm, mitten im Mittag. Der kleine Junge kam gerade von der Schule. Ich gehe an die Türe. Dann steht der da freudestrahlend: „Jetzt kann ich Jesus auch lieben!“ Das wollte er mir nur eben sagen. Was war da passiert? „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.“ Ich will das noch einmal ganz plastisch verdeutlichen: Nehmen Sie einmal einen trockenen Schwamm und drücken sie den einmal ganz kräftig. Da kommt nie Wasser raus, nie. Und wenn der Schwamm deines Lebens total vertrocknet ist, dann kannst du dir noch so viel Mühe geben, da kommt nie Liebe raus. Aber jetzt nimmst du den Schwamm und tauchst du ihn in einen Eimer Wasser, dass er sich so richtig voll saugen kann mit Wasser. Jetzt brauchst du nicht mal drücken. Da strömt und läuft das Wasser nur so raus. Und wenn in deinem Leben diese Trockenheit ist, wenn du Gott und die Menschen nicht lieben kannst, dann halte den Schwamm deines Lebens einmal in das Wasser der Liebe Gottes, dass du dich so richtig voll saugen kannst mit seiner Liebe. Und dann läuft es auf einmal. Der große heilige Bischof Augustinus hat das Ganze, wofür ich jetzt eine ganze Predigt gebraucht habe, in einem kurzen Satz zusammengefasst, unübertroffen kurz. Da sagt er: „Liebe, und tu was du willst!“ „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, und du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst.“ Das ist der erste Knopf. Und der Kommentar: „... weil er uns zuerst geliebt hat.“ Amen.
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