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Kleine Leute im Neuen Testament 6 Impulse
Agabus - Prophetie in der Urgemeinde Epaphras - Ein tüchtiger Gemeindeleiter Onesimus - Eine urchristliche Revolution Simon Magus - Glaube oder Aberglaube Barabbas - Sein Kreuz ist mein Kreuz
Agabus – Prophetie in der UrgemeindeApg 11,27-30 / Apg 21,8-14
Ich habe diese Impulsreihe unter das Rahmenthema gestellt: „Kleine Leute im Neuen Testament“. Den Petrus und den Paulus kennt Jeder. Vielleicht haben auch die meisten schon einmal den Namen Maria Magdalena gehört. Den Namen Zachäus hören die Kinder schon im Religionsunterricht der Schule und im Kindergottesdienst. Aber ist ihnen schon einmal der Name Agabus begegnet? Wahrscheinlich haben sie den Namen Agabus noch nie gehört. Dieser Agabus kommt nur an zwei Stellen in der Apostelgeschichte vor, nur ganz wenige Verse. Ihn wollen wir uns heute einmal anschauen. Vielleicht hat er eine Botschaft, die für uns wichtig ist.
Ich lese zunächst einmal einige Verse aus der Apostelgeschichte. Wir sind in Antiochia. Antiochia ist die Stadt, in der man den Jüngern zum ersten Mal den Namen Christen gab.
„In jenen Tagen kamen von Jerusalem Propheten nach Antiochia hinab. Einer von ihnen namens Agabus trat auf und weissagte durch den Geist, eine große Hungersnot werde über die ganze Erde kommen. Sie brach dann unter Klaudius aus. Man beschloss, jeder von den Jüngern solle nach seinem Vermögen den Brüdern in Judäa etwas zur Unterstützung senden. Das taten sie auch und schickten ihre Gaben durch Barnabas und Saulus an die Ältesten.“ (Apg 11,27-30)
Ich habe vor längerer Zeit einen Artikel über den Agabus gelesen. Diese Betrachtung hatte die Überschrift: „Ein Wahrsager mit schlimmen Nachrichten“. Aber genau das ist Agabus nicht. Er ist nicht ein Wahrsager, jedenfalls nicht in der Weise, wie wir das Wort Wahrsager heute verstehen. Mit Wahrsager verbinden wir ja Aberglauben, dass man in die Zukunft schauen kann. Im norddeutschen Raum würde man sagen Spökenkiekerei. Viele Praktiken, die mit Pendeln, Hand lesen und ähnlichen Dingen zu tun haben, die verbinden wir mit dem Begriff „Wahrsagen“. Das ist nach dem Gesetz Gottes ausdrücklich verboten, damals genauso wie heute.
Ein solcher Wahrsager ist Agabus nicht. Er ist Prophet, und ein Prophet ist etwas ganz anderes als ein Wahrsager. Wenn wir ins Alte Testament hineinschauen, dann sehen wir einen Elija, die große prophetische Gestalt zur Zeit des Königs Ahab. Bei Elija sehen wir das typische Kennzeichen eines Propheten. Auf der einen Seite war er ganz wach für die politischen Entwicklungen seiner Zeit, aber auch für die religiöse Strömung und die geistliche Entwicklung seiner Zeit. Da sah er, dass es Israel zur Zeit des Königs Ahab gut ging, wirtschaftlich gut ging. Aber er musste auch miterleben, dass das Volk Gottes Götzendienst trieb, und zwar neben der Verehrung Jahwes. Und das Volk hat das gar nicht gemerkt. Sie haben auf der einen Seite Jahwe, den Gott Israels verehrt, auf der anderen Seite verehrten sie aber auch Baal, den Fruchtbarkeitsgott, den Wettergott. Und der Prophet Elija, einer der wenigen Jahwetreuen im Volke, hat diese Situation gesehen.
Gleichzeitig hatte er sein Ohr am Herzen Gottes. Er wusste aus der Botschaft des Alten Testamentes, dass Gott gesagt hatte: Wenn mein Volk anfängt Götzendienst zu treiben, wenn sie mich verwerfen, wenn sie das erste Gebot außer Kraft setzen, du sollst keine fremden Götter neben mir haben, dann wird dieses Volk erleben, dass ich eine Dürre kommen lasse, dann wird der Himmel ihnen nicht mehr Regen spenden, sondern dann wird der blaue Himmel wird wie eine Bleidecke sein. Und es wird eine Dürre und eine Hungersnot kommen. Der Prophet Elija wusste um diese Botschaft Gottes, und er sieht, dass das Volk Israel zu einem Gericht Gottes heranreift. Er sieht, dass sie in immer größerem Stil Götzendienst treiben, zum Teil aus politischen Erwägungen heraus. Und Elija kommt zu der Erkenntnis: Die Zeit ist herangereift für ein Gericht Gottes. Und er verkündet im Auftrag Gottes eine große Dürre, eine große Hungersnot, die dann auch tatsächlich eintrifft.
In dieser Reihe der Propheten steht ein Mann wie Agabus. Propheten sind Menschen, die sehr wach sind, die die Welt ganz wach beobachten. Sie haben im Wort Gottes ihre Verwurzelung und haben vom Wort Gottes her ein geistliches Gespür dafür, wann eine Zeit heranreift, für ein Gericht Gottes. So tritt der Prophet Agabus auf und weissagt auf Antrieb des Geistes eine große Hungersnot, die über die Erde kommen werde. Und die tritt dann auch unter Kaiser Claudius tatsächlich ein. Nun wissen wir nicht genug über die Situation zur Zeit des Agabus, ob dort auch Götzendienst getrieben wurde. Aber eins ist sicher, und das war schon bei Elija so: Wenn Gott ein Gericht schickt, dann tut er es nicht zur Vernichtung, sondern dann ist es ein Ruf zur Umkehr.
Interessant ist nun, wie die Menschen, wie die Gemeinde in Antiochia jetzt reagiert: „Es kommt eine Hungersnot, hamstern! Alles zusammenkaufen, was man kaufen kann, die Regale leer kaufen, Vorräte anlegen. Jeder rette seine eigene Haut.“ Das wäre die normale Reaktion der Menschen. Die Reaktion der Gemeinde in Antiochia ist eine ganz andere. Nicht: Hamstern, jeder sorgt für sich. Sondern ihre erste Reaktion ist: Den Brüdern und Schwestern der Gemeinde in Jerusalem geht es noch viel schlechter als uns, die sind viel ärmer dran als wir. Und das Erste, was sie tun: Sie sammeln, um den Brüdern und Schwestern in Jerusalem eine Unterstützung zukommen zu lassen. Die Beträge, die sie gesammelt hatten schickten sie durch Saulus und Barnabas nach Jerusalem. Nicht: Rette sich wer kann! Sondern: Wir müssen für die anderen sorgen!
Hier spürt man etwas davon, wie sehr die Menschen Jesus ähnlich geworden sind. Christ sein bedeutet ja nicht, zu einer Religionsgemeinschaft zu gehören. Christ sein bedeutet: Christus ähnlich werden. Und dieser Jesus, hat von sich gesagt: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ So sind sie Christus ähnlich geworden: Wir sorgen nicht als erstes für uns, wir bringen nicht unser Schäfchen ins Trockene, sondern wir sorgen zunächst einmal für die anderen.
Und noch eine Kleinigkeit, die hier nicht ausdrücklich gesagt wird, die aber sehr wichtig ist. Heute würden viele Christen angesichts einer drohenden Hungersnot reagieren: „Wir müssen die Caritas informieren.“ Wir haben ja heute für alles eine Behörde, eine Institution. Wenn eine Hungersnot kommt, irgendwo gibt es immer eine Behörde die dafür zuständig ist. Vielleicht muss die Kirche ein Hilfswerk organisieren wie Misereor, Adveniat, Brot für die Welt oder ähnliches. Hier die Christen in Antiochia schreien nicht nach der Kirche, damit die ein Hilfswerk organisiert. Die schicken auch nicht die Leute zu einer Behörde, sondern sie legen selber Hand an. Sie organisieren das selbst, sie ergreifen selber die Initiative, um den Schwestern und Brüdern in Not eine Hilfe zukommen zu lassen.
Agabus, ein Prophet, der im Auftrage des Heiligen Geistes eine Hungersnot weissagt. Und dass diese Prophetie echt ist, zeigt die Reaktion, die sie hervorruft: Helfen und anpacken.
Noch ein zweites Mal taucht wieder gleichsam blitzlichtartig der Prophet Agabus in der Apostelgeschichte auf, Jahrzehnte später. Paulus ist auf einer Reise nach Jerusalem. Es sollte seine letzte Reise werden, und er weiß das. Er bringt noch einmal die Kollekte, die er gesammelt hat, den Brüdern und Schwestern in Jerusalem. Auf dieser Reise kommt er nach Cäsarea. Wir lesen das im 21. Kapitel der Apostelgeschichte.
„Am folgenden Tag kamen wir nach Cäsarea. Wir gingen in das Haus des Evangelisten Philippus, der einer von den Sieben war, und blieben bei ihm. Er hatte vier Töchter, prophetisch begabte Jungfrauen. Wir blieben mehrere Tage. Da kam von Judäa ein Prophet namens Agabus herab und besuchte uns. Er nahm den Gürtel des Paulus, band sich Füße und Hände und sagte: So spricht der Heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem ebenso fesseln und den Heiden ausliefern. Als wir das hörten, redeten wir ihm zusammen mit den Einheimischen zu, nicht nach Jerusalem hinaufzuziehen. Doch Paulus antwortete: Warum weint ihr und macht mir das Herz schwer? Ich bin bereit, mich in Jerusalem für den Namen Jesu, des Herrn, fesseln zu lassen und sogar zu sterben. Da er sich nicht überreden ließ, gaben wir nach und sagten: Der Wille des Herrn geschehe.“ (Apg 21,8-14)
Wir müssen uns die Situation einmal vorstellen. Paulus ist auf dem Weg nach Jerusalem und hält Einkehr bei Philippus, einem der „Sieben“. Das waren die Diakone, die im sechsten Kapitel der Apostelgeschichte gewählt worden waren. Dann tritt auf einmal unversehens Agabus in das Haus ein. Er sagt keinen Ton; es ist wie eine Pantomime. Er geht auf Paulus zu, nimmt dem Paulus den Gürtel ab, den er um sein Gewand gebunden hatte. Er bindet sich mit dem Gürtel des Paulus selbst Hände und Füße. Jeder muss denken: Was soll das, was soll denn diese Pantomime? Ist das ein Schauspiel, ist das Gaukelei? Aber dann kommt die Botschaft, die damit verbunden ist. Ein Prophet macht nie nur Schauspielerei. Auch hier steht Agabus in der Tradition der großen Propheten des Alten Testamentes, die oft solche Zeichenhandlungen vollziehen mussten. Es sind prophetische Zeichenhandlungen, die einen ganz starken Ausdruck haben. Aber dann kommt die Botschaft, die Agabus damit verbindet: „So spricht der Heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem ebenso fesseln und den Heiden ausliefern“. Das war die Botschaft, die der Prophet Agabus damit verbunden hat.
Und auch hier ist die Reaktion der Menschen interessant. Natürlich reagieren die Menschen entsetzt. Sie lieben den Paulus und sagen: Auf keinen Fall soll das geschehen. Geh doch bloß nicht nach Jerusalem hinauf. Ich erinnere Sie an eine Szene, wie Jesus zum ersten Mal den Jüngern gegenüber davon redet, dass sein Weg in Jerusalem am Kreuz endet. Wie sich da Petrus hinstellt und sagt: Das verhüte Gott, das darf nicht geschehen. Und wie Jesus dann sagt: Hinter mich, Satan! Du bist ein Ärgernis für mich. Das ist menschliche Reaktion, die man gut verstehen kann. Aber nicht so Paulus. Paulus, der ja auch ein geisterfüllter Mensch war, wusste durch die Führung des Heiligen Geistes, dass sein Weg in Jerusalem mit Drangsalen verbunden sein wird. Ein Kapitel vorher in der Apostelgeschichte, als er sich in Ephesus von der Gemeinde verabschiedet, sagt er.
„Seht nun, im Geist gebunden, reise ich nach Jerusalem. Was mir dort begegnen wird, weiß ich nicht. Nur das versichert mir der Heilige Geist von Stadt zu Stadt, dass Fesseln und Drangsale meiner warten. Aber ich halte das Leben keines Wortes wert für mich, wenn ich nur meinen Lauf vollende und meine Aufgabe erfülle, die ich vom Herrn Jesus erhalten habe: die frohe Botschaft von der Gnade Gottes zu bezeugen.“ (Apg 20,22-24)
Das wusste Paulus. Weil er selber vom Heiligen Geist erfüllt war, hatte der Heilige Geist ihm das Gleiche selber auch schon ins Herz gelegt. Er hatte noch keinen klaren Blick, wie die Drangsale aussehen würden. Aber dass sein Weg in Jerusalem mit Drangsalen, mit Fesseln enden wird, das wusste er.
Hier erleben wir etwas von der urchristlichen Gabe der Prophetie. Die Gabe der Prophetie, die durch Agabus ausgeübt wurde, durch diese Zeichenhandlung, wo er sich den Gürtel des Paulus umbindet und sagt: „Genauso wird der Mann gebunden werden, dem dieser Gürtel gehört.“ Diese Prophetie wird bestätigt dadurch, dass der Heilige Geist das Gleiche dem Paulus ins Herz gelegt hatte. Und was der Heilige Geist dem Paulus ins Herz gelegt hatte, das wird auf der anderen Seite bestätigt durch die Weissagung, die er durch den Agabus ausspricht. So ist das mit der urchristlichen Prophetie. Es ist nicht einfach nur ein in die Zukunft schauen, wie ein Wahrsager etwas vorhersagt. Es ist eine Stärkung des Glaubens. Propheten sind Menschen, die das Ohr am Herzen Gottes haben, und die ermutigen, aufbauen, klare Weisung geben für das, was Gott einem anderen auch schon ins Herz gegeben hat. Wenn Gott möchte, dass ein Mensch mir eine prophetische Weisung gibt, dann darf ich damit rechnen, dass Gott diese Prophetie auf anderen Wegen bestätigt. Wenn Gott mir in mein eigenes Herz einen Impuls gelegt hat für mein Leben, wie er sich mein Leben denkt, dann darf ich damit rechnen, dass er diesen inneren Impuls auch von außen her durch einen anderen Menschen bestätigt. Das ist das Wirken des Heiligen Geistes.
Den Menschen, die dabei stehen und sagen: „Geh doch bloß nicht nach Jerusalem“, denen antwortet Paulus: „Warum weint ihr und macht mir das Herz so schwer. Ich bin bereit für den Namen des Herrn Jesus mich in Jerusalem nicht nur binden zu lassen, sondern selbst in den Tod zu gehen.“ Da spürt man etwas von der Entschiedenheit des Paulus. Da ist keine Weichlichkeit, sondern das ist ein klarer Weg, genauso wie Jesus seinen Weg ganz klar nach Jerusalem gegangen ist.
Agabus, ein Prophet. Wir brauchen auch heute in unserer Zeit solche Propheten. Es werden nicht Propheten sein wie im Alten Testament: Elija, Jesaja, Jeremia, Ezechiel. Aber es werden Menschen sein, die wach durch diese Welt gehen, die ihr Ohr am Herzen Gottes haben, die ihre Verwurzelung im Wort Gottes haben. Und die dann einem anderen Menschen Ermutigung, Ermahnung und Weisung geben können. Und das brauchen wir heute, dringend.
Epaphras – Ein tüchtiger GemeindeleiterKol 1,4-8; 4,12-13
Was erwarten wir von einem tüchtigen Gemeindeleiter? Diese Frage ist gar nicht so unwichtig, angesichts der Tatsache, dass immer mehr die Forderung laut wird, auch Laien an der Gemeindeleitung in Deutschland zu beteiligen, angesichts des Priestermangels, den wir in Deutschland haben. Bisher ist ja dieser Dienst den Pfarrern vorbehalten. Was erwarten wir von einem tüchtigen Gemeindeleiter?
Ich möchte in diesem Impuls einen tüchtigen Gemeindeleiter aus dem Neuen Testament vorstellen. Den Namen haben sie vielleicht noch nie gehört. Es ist Epaphras. Epaphras ist Gemeindeleiter der Gemeinde von Kolossä, in Kleinasien, in der heutigen Türkei. An diese Gemeinde hat der Apostel Paulus einen Brief geschrieben, den Kolosserbrief im Neuen Testament. Paulus kannte die Gemeinde in Kolossä persönlich überhaupt nicht. Aber er wusste um diese Gemeinde, weil ihm der Gemeindeleiter Epaphras erzählt hatte, wie es um die Gemeinde steht. In diesem Brief an die Kolosser schreibt Paulus auch einige Bemerkungen über den Epaphras, einen tüchtigen Gemeindeleiter.
„Wir haben von eurem Glauben an Christus Jesus gehört und von der Liebe, die ihr zu allen Heiligen habt, weil im Himmel die Erfüllung eurer Hoffnung für euch bereitliegt. Schon früher habt ihr davon gehört durch das wahre Wort des Evangeliums, das zu euch gelangt ist. Wie in der ganzen Welt, so trägt es auch bei euch Frucht und wächst seit dem Tag, an dem ihr den Ruf der göttlichen Gnade vernommen und in Wahrheit erkannt habt. So habt ihr es von Epaphras, unserem geliebten Mitarbeiter, gelernt. Er ist an unserer Stelle ein treuer Diener Christi, und er hat uns auch von der Liebe berichtet, die der Geist in euch bewirkt hat.“ (Kol 1,4-8)
Am Ende des Kolosserbriefes, als es um die Grüße geht, kommt Paulus noch einmal kurz auf den Epaphras zu sprechen:
„Es grüßt euch euer Epaphras, der Knecht Christi Jesu. Immer kämpft er für euch im Gebet, dass ihr vollkommen werdet und ganz durchdrungen seid vom Willen Gottes. Ich bezeuge, dass er sich große Mühe gibt um euch und um die Gläubigen in Laodizea und Hiërapolis.“ (Kol 4,12-13)
Interessant ist schon, welche Titel der Paulus dem Epaphras gibt. Er nennt den Epaphras „unseren geliebten Mitarbeiter“. Das ist ein ganz warmer, herzlicher Ton. Es handelt sich nicht nur um eine Werkgemeinschaft, dass man eben zusammenarbeitet, sondern um einen „geliebten“ Mitarbeiter. Dann sagt Paulus über ihn: Er ist in unserer Vertretung „ein treuer Diener Christi“. Ich habe schon gesagt: Paulus war selbst nie in der Gemeinde in Kolossä gewesen. Er stellt dem Epaphras das Zeugnis aus: In unserer Vertretung, an meiner Stelle ist er ein treuer Diener Christi. Was ist das für ein Ehrentitel. Wenn man das heute von den Gemeindeleitern, von den Mitarbeitern im Seelsorgedienst sagen könnte: „Treue Mitarbeiter Christi“. Treue, das hat etwas mit dem Durchhalten zu tun. Treue ist durchgehaltene Liebe. In Psalm 101,6 wird von Gott gesagt: „Meine Augen suchen die Treuen im Land; sie sollen bei mir wohnen.“ Das sind die Zuverlässigen, auf deren Zusage man sich verlassen kann. Das ist heute gar nicht mehr so oft zu finden. Paulus stellt dem Epaphras das Zeugnis aus: „Ein treuer Mitarbeiter, ein treuer Diener Christi.“ Dann nennt Paulus ihn im vierten Kapitel: „Epaphras, der Knecht Christi Jesu“. Wörtlich müsste man sogar sagen: „der Sklave Christi Jesu“. Sklave Christi, das ist ein Ehrentitel, den Paulus sonst für sich in Anspruch nimmt. Das bedeutet im Tiefsten: Ich habe einen neuen Herren gefunden. Im 6. Kapitel des Römerbriefes schreibt Paulus, dass wir nicht mehr Sklaven der Sünde sind, sondern dass wir von der Sünde, vom Rechtsanspruch der Sünde frei geworden sind. Wir haben einen neuen Herrn gefunden, dem wir uns zur Verfügung gestellt haben. Und dieser Herr ist Jesus Christus. Diesen ganz hohen Titel, „Slave Christi Jesu“, den Paulus für sich in Anspruch nimmt, den gibt er jetzt dem tüchtigen Gemeindeleiter Epaphras. Was zeichnet den Epaphras aus, dass er so ein tüchtiger Gemeindeleiter ist? Das wollen wir uns in ein paar Dingen einmal näher anschauen.
Da schreibt Paulus: Ihr habt von Epaphras das Evangelium gehört. Er hat euch das Evangelium verkündet. Nun könnte man sagen, das tun wir Pfarrer ja jeden Sonntag, manchmal sogar jeden Tag, das Evangelium verkünden. Aber damals bedeutete das etwas anderes. Die vier Evangelien Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, die gab es damals noch gar nicht. Das Evangelium verkünden hat damals noch einen viel unmittelbareren Klang. Es ist die Frohe Botschaft, dass Gott den Menschen nahe gekommen ist. So ähnlich wie es der Engel den Hirten an Weihnachten auf den Feldern von Bethlehem ansagt. „Ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden wird: Heute ist euch der Retter, der Heiland geboren, Christus der Herr.“ Es gibt einen Erlöser, du brauchst nicht mit deinen Lasten herumzulaufen, es gibt Erlösung. Gott ist den Menschen nahe gekommen, und er ist gerade den Menschen nahe gekommen, um die sich sonst keiner mehr kümmert, die Randexistenzen, die Armen, die Zöllner, die Dirnen. Alle, auf die man mit dem Finger zeigte, denen ist Gott nahe gekommen. Das war die Frohe Botschaft. Und dieser Gott, der uns nahe gekommen ist, der hat am Kreuz für uns geblutet, er hat uns erlöst. Er hat den Tod überwunden, er ist auferstanden von den Toten. Für ihn ist kein Ding unmöglich. Er ist der Herr der Welt, der Kyrios, der Herr schlechthin. Das war das Evangelium, das war die Frohe Botschaft, die Epaphras in Kolossä verkündet hat.
Noch etwas wird von dieser Frohen Botschaft gesagt: Es ist das Evangelium der Wahrheit, das Wort der Wahrheit. Das bedeutet: Wenn du dich an dieses Wort, an diese Botschaft hältst, dann stehst du auf verlässlichem Grund. Dann hast du festen Boden unter den Füßen, auch wenn um dich herum alles wackelt. Du hast festen Boden unter den Füßen. Da steht Gott, der die Wahrheit schlechthin ist, mit seiner ganzen Autorität dahinter, hinter dieser Botschaft, hinter seinem Wort. Es ist das Wort der Zuverlässigkeit, ein Wort, das gilt.
Noch etwas wird hier von diesem Evangelium gesagt: Es ist das Evangelium von der Gnade Gottes. Das war außerordentlich wichtig. Im Judentum (und das ist auch bei uns oft noch so) hat man immer den Eindruck: Man ist dann in den Augen Gottes richtig, gerecht, wenn man möglichst viele Gebote erfüllt. Du musst, du darfst nicht, du sollst. Und weil wir das oft gar nicht schaffen, selbst bei gutem Willen, stöhnen die Menschen unter den Lasten, die ihnen auferlegt sind. Und da kommt das Evangelium von der Gnade Gottes und verkündet: Es geht nicht in erster Linie darum, was du für Gott getan hast. Das Erste und Wichtigste ist, was Gott für dich getan hat, und was er für dich tut. So ähnlich wie Maria das in ihrem Magnifikat singt: Nicht: Ich habe Großes getan für den Mächtigen. Sondern: Der Mächtige hat Großes an mir getan. Darum ist sie voll der Gnade. Das ist das Evangelium von der Freiheit, von der Gnade Gottes. Gott hat Großes an uns getan. Und das ist ganz etwas anderes als das Abhaken von Vorschriften und Geboten. Es ist eine Botschaft der Befreiung, die innerlich aufatmen lässt. Wenn man das versteht, dass es um Frohe Botschaft geht, um zuverlässige Wahrheit geht, dass es um ein Evangelium von der Gnade Gottes geht, dann kann man sich vorstellen, dass Paulus schreibt: Diese Botschaft trägt überall Frucht, bei euch und in der ganzen Welt. Nach dieser Botschaft von der Gnade Gottes, nach dieser Frohen Botschaft, sehnt sich die Welt, danach dürsten wir. Jeder verlangt im Tiefsten nach diesem Heil, nach diesem erlösten Leben, wenn diese Sehnsucht sich auch manchmal in ganz versteckten Formen ausdrückt. Diese Botschaft hat Epaphras den Kolossern verkündet, diese Botschaft hat er sie gelehrt. Darum sagt Paulus von ihm: Ein tüchtiger Gemeindeleiter.
Das ist das Zentrum: Das Evangelium, die Frohe Botschaft von der Gnade Gottes zu verkünden. Nun, wenn man das so pointiert sagt: Es geht nicht darum, was wir für Gott tun, sondern dass Gott an uns etwas tut. Sind denn dann die Gebote einfach überflüssig geworden, braucht man sich dann nicht mehr daran zu halten? Kann man dann leben, wie es einem beliebt? Es kommt ja auf unser Tun nicht mehr an. Hauptsache, Gott hat Großes an uns getan.
Nein, so ist das nicht. Paulus schreibt im vierten Kapitel auch über den Epaphras: „Er ringt in seinen Gebeten um euch, damit ihr ganz erfüllt seid von dem, was der Wille Gottes ist.“ Es geht schon darum, wenn wir das Evangelium von der Gnade Gottes gehört haben, dass wir nicht mehr nach unserem eigenen Belieben leben. Es geht vielmehr darum, den Willen Gottes zu tun. Aber, es geht nicht darum, jetzt eine Liste von möglichst vielen Punkten abzuhaken: erfüllt oder nicht erfüllt. Den Willen Gottes zu erkennen, da geht es um zwei „Personen“, um Gott und den Menschen. Und ich muss Gott hinhorchen und hinhören. Was ist dein Wille heute für mich, und was willst du heute von mir? Nicht ein Abhaken von Gesetzen, sondern ein liebendes Herz, das für den anderen schlägt, das hinhört: Gott, ich möchte deinen Willen tun, tu mir deinen Willen kund. Das ist eine Beziehung und nicht einfach nur ein Erfüllen von Pflichten, weder von religiösen Pflichten noch von sozialen Pflichten. Hinhören: Gott, was ist heute dein Wille? Darum hat Epaphras gerungen in der Gemeinde, dass die Menschen das verstehen, dieses liebende Hinhören auf den Willen Gottes.
Noch ein Weiteres zeichnet diesen Gemeindeleiter Epaphras aus. Da schreibt Paulus im vierten Kapitel: „Es grüßt euch euer Landsmann Epaphras, der Knecht Christi Jesu, der dauernd in seinen Gebeten um euch ringt, dass ihr vollkommen dastehen mögt, ganz erfüllt von allem was der Wille Gottes ist.“ Epaphras hat etwas davon gewusst, wie notwendig es ist, im Gebet um die Gemeinde zu ringen. Das ist der Dienst eines tüchtigen Gemeindeleiters. Einer, der im Gebet um seine Gemeinde ringt, der nicht nur so mal oberflächlich für seine Gemeinde gebetet hat. Das bedeutet: Stehenbleiben vor Gott, und die Gemeinde immer wieder vor das Angesicht Gottes bringen im Gebet. Das geht heute oft verloren angesichts der vielen Aktivitäten, die den Gemeindeleitern heute aufgegeben sind.
Ich kann mich erinnern, als wir studiert haben, hat einmal ein geistlicher Lehrer zu uns gesagt: „Bevor du mit den Menschen über Gott reden willst, musst du erst mit Gott über die betreffenden Menschen geredet haben.“ Du musst lange im Gebet vor Gott verharrt und diese Menschen vor Gott gebracht haben. Dann erst ist deine Seelsorge gut, dann erst ist deine Verkündigung wirklich Frohe Botschaft. Das hat der Epaphras im tiefsten gewusst und gelebt. Er ringt in seinen Gebeten, dass sie vollkommen sein mögen und ganz erfüllt von dem, was der Wille Gottes ist.
Noch so eine Kleinigkeit: Hier steht nicht nur: „er betet“, sondern: „er ringt in seinen Gebeten“. Man könnte das auch übersetzen: er kämpft in seinen Gebeten. Ja, ist denn Gebet Kampf? Muss man Gott etwas abringen, gleichsam etwas abtrotzen? Gibt Gott nicht gerne, gerade wenn wir im Gebet vor ihm stehen? Wieso ist denn Gebet Kampf?
Doch, das ist so. Jeder, der anfängt ein echtes Gebetsleben zu führen, jeder der anfängt zu ringen, was der Wille Gottes ist, der wird merken, dass Gebet Kampf ist. Das fängt bei ganz kleinen äußerlichen Dingen an. Wenn ich mich hinsetzen will zum Beten, wie oft habe ich es dann erlebt: dann klingelt das Telefon, dann schellt die Türschelle. Dann fallen mir plötzlich alle die Dinge ein, die jetzt in dem Augenblick gemacht werden müssten. Und so will mich eins ums andere vom Gebet abhalten, und ich muss mir oft die Zeit rein äußerlich erkämpfen.
Oft ist mir das in der Beichte begegnet, dass vor allem ältere Menschen, gebeichtet haben: „Ich habe unandächtig gebetet.“ Wenn ich dann nachgefragt habe: Was meinen sie denn damit? Dann haben sie gesagt: Wenn ich bete, dann bin ich oft gar nicht bei Gott, dann gehen meine Gedanken überall hin spazieren. Das ist dieses: Man muss sich das Gebet erkämpfen. Die innere Gebetshaltung, aber auch die äußere Ruhe, die äußere Gelöstheit, die man dafür braucht.
Aber noch in einer anderen Weise kann Gebet Kampf werden. Es gibt heute so viele Widerstände in dieser Welt, auch in christlichen Kreisen, gegen das Gebet. Da sagt man uns, dass ein Gebetsleben eigentlich nicht wichtig ist. In gleicher Weise gibt es in unserer Gesellschaft auch Widerstände gegen den Willen Gottes. Und da ist es schon Kampf, wenn jemand dann in Treue im Gebet vor Gott steht. Kampf gegen diese Widerstände die dir von außen immer wieder entgegengebracht werden. Denken sie nur an die vielen Widerstände gegen die kontemplativen Orden: „Diese Betschwestern von der ewigen Anbetung“, was haben die denn überhaupt für einen Sinn? Ja, die haben einen ganz tiefen Sinn. Aber das ist Kampf, wenn man gegen diese Welt das Gebetsleben führen will.
Und schließlich, ich sage das in diesem Zusammenhang auch einmal, selbst wenn man das heute nicht mehr wahrhaben will. Es gibt auch den Teufel, der das Gebet verhindern will. Der genau weiß, welche Kraft in diesem Ringen um das Gebet liegt. Und der Teufel ist auch daran interessiert, dass der Wille Gottes nicht zum Zuge kommt. Und so gibt es auch Widerstände in der unsichtbaren Welt, die wir mit unseren Sinnen nicht wahrnehmen können. Von denen berichtet das Alte und das Neue Testament immer wieder. Jeder, der einmal Heiligenbiographien liest, etwa über den heiligen Pfarrer von Ars, der wird spüren, wie auch in diesem Bereich Kampf zu erwarten ist. Denken sie auch an die Szene, wie Jesus am Ölberg kniet und Blut schwitzt. Wie er unter Tränen, die zu Blutstropfen werden, im Gebet ringt: Vater, was ist dein Wille? Nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Gebet ist Ringen, Gebet ist Kampf, Gebet ist nicht einfach nur ein schöner geistlicher Spaziergang.
Von alledem hat dieser Gemeindeleiter von Kolossä, dieser Epaphras etwas gewusst. Er kommt zu Paulus und erzählt ihm von der Gemeinde. Und Paulus schreibt am Anfang des Kolosserbriefes, wie er sich freut, wenn er für diese Gemeinde betet. Epaphras hat ihm erzählen können vom Glauben, von der Liebe, von der Hoffnung, die in der Gemeinde lebendig ist. Er hat ihm auch erzählt von Irrlehren, von Irrlehrern, die in die Gemeinde eingedrungen sind, und die das klare Evangelium verfälschen wollten. Das ist für Paulus der Anlass gewesen, diesen Kolosserbrief zu schreiben. Eins leuchtet aus diesem Kolosserbrief immer wieder heraus, die klare Aussage: „Christus allein genügt.“
Epaphras ist ein tüchtiger Gemeindeleiter, weil er in den Mittelpunkt seines Dienstes diese zwei Dinge stellt: Auf der einen Seite die Verkündigung der Frohen Botschaft, und auf der anderen Seite seine Seelsorge, sein Dienst an den Menschen. Die Verkündigung ist gespeist aus dem Ringen im Gebet um die Gemeinde. Wenn es bei uns einmal dahin kommt, dass Laien mit der Gemeindeleitung beauftragt werden, ich wüsste dann einen Patron, den Epaphras.
Onesimus – Eine urchristliche RevolutionDer Philemonbrief
Heute möchte ich am Anfang dieses Impulses einen ganzen Paulusbrief mit Ihnen lesen. Keine Angst, es ist ein ganz kurzer Paulusbrief, der nur fünfundzwanzig Verse hat. Es ist der Philemonbrief, der einzige Privatbrief, den der Paulus geschrieben hat. Wenn sie den Brief jetzt ganz lesen, dann achten sie jetzt einmal darauf, wie der Apostel Paulus selbst einen Privatbrief nutzt, um Christusverkündigung zu betreiben.
„Paulus, Gefangener Christi Jesu, und der Bruder Timotheus an unseren geliebten Mitarbeiter Philemon, an die Schwester Aphia, an Archippus, unseren Mitstreiter, und an die Gemeinde in deinem Haus: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Ich danke meinem Gott jedes Mal, wenn ich in meinen Gebeten an dich denke. Denn ich höre von deinem Glauben an Jesus, den Herrn, und von deiner Liebe zu allen Heiligen. Ich wünsche, dass unser gemeinsamer Glaube in dir wirkt und du all das Gute in uns erkennst, das auf Christus gerichtet ist. Es hat mir viel Freude und Trost bereitet, dass durch dich, Bruder, und durch deine Liebe die Heiligen ermutigt worden sind. Obwohl ich durch Christus volle Freiheit habe, dir zu befehlen, was du tun sollst, ziehe ich es um der Liebe willen vor, dich zu bitten. Ich, Paulus, ein alter Mann, der jetzt für Christus Jesus im Kerker liegt, ich bitte dich für mein Kind Onesimus, dem ich im Gefängnis zum Vater geworden bin. Früher konntest du ihn zu nichts gebrauchen, doch jetzt ist er dir und mir recht nützlich. Ich schicke ihn zu dir zurück, ihn, das bedeutet mein eigenes Herz. Ich würde ihn gern bei mir behalten, damit er mir an deiner Stelle dient, solange ich um des Evangeliums willen im Gefängnis bin. Aber ohne deine Zustimmung wollte ich nichts tun. Deine gute Tat soll nicht erzwungen, sondern freiwillig sein. Denn vielleicht wurde er nur deshalb eine Weile von dir getrennt, damit du ihn für ewig zurückerhältst, nicht mehr als Sklaven, sondern als weit mehr: als geliebten Bruder. Das ist er jedenfalls für mich, um wie viel mehr dann für dich, als Mensch und auch vor dem Herrn. Wenn du dich mir verbunden fühlst, dann nimm ihn also auf wie mich selbst! Wenn er dich aber geschädigt hat oder dir etwas schuldet, setz das auf meine Rechnung! Ich, Paulus, schreibe mit eigener Hand: Ich werde es bezahlen - um nicht davon zu reden, dass du dich selbst mir schuldest. Ja, Bruder, um des Herrn willen möchte ich von dir einen Nutzen haben. Erfreue mein Herz; wir gehören beide zu Christus. Ich schreibe dir im Vertrauen auf deinen Gehorsam und weiß, dass du noch mehr tun wirst, als ich gesagt habe. Bereite zugleich eine Unterkunft für mich vor! Denn ich hoffe, dass ich euch durch eure Gebete wiedergeschenkt werde. Es grüßen dich Epaphras, der mit mir um Christi Jesu willen im Gefängnis ist, sowie Markus, Aristarch, Demas und Lukas, meine Mitarbeiter. Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, sei mit eurem Geist!“ (Phlm 1-25)
Es geht in diesem Brief um zwei Männer, über die wir sonst im Neuen Testament nichts erfahren. Der eine ist Philemon, ein Großgrundbesitzer, offensichtlich ein reicher Mann mit vielen Sklaven. Dieser Philemon hat offensichtlich auch in der Gemeinde mitgearbeitet. Paulus nennt ihn unseren geliebten Mitarbeiter. Und er deutet an, dass dieser Philemon sein Haus zur Verfügung gestellt hat, damit sich die Gemeinde Gottes in seinem Haus versammeln konnte. Philemon. Auf der anderen Seite ist da Onesimus, ein Sklave. Onesimus war dem Philemon weggelaufen. Dieser Onesimus war nicht irgendein Sklave im Haus seines Herrn. Er war ein sehr nützlicher Sklave, er hatte eine besondere Stellung. Den Namen Onesimus könnte man übersetzen mit „Nützling“. Wenn sie genau hingeschaut haben, dann haben sie vielleicht bemerkt, dass Paulus mit diesem Namen einige Wortspiele in diesem Brief durchführt. Er war offensichtlich dem Herrn ein sehr nützlicher Sklave. Aber, er war geflüchtet. Und offensichtlich hat er, als er geflüchtet ist, auch seinen Herrn bestohlen. Er hat Geld mitgenommen. Paulus schreibt hier: Wenn er dich geschädigt hat, oder wenn er dir etwas schuldet, dann setz es auf meine Rechnung. Dieser Großgrundbesitzer Philemon war nicht einfach nur der Herr von vielen Sklaven und ein Großgrundbesitzer. Als Christ war er dem Paulus Bruder geworden. Als Christ war er einer der vielen Schwestern und Brüder in der Gemeinde, die sich in seinem Hause trafen. Das müssen wir festhalten. Nun war diesem Herren, diesem Bruder Philemon der Sklave Onesimus weggelaufen.
Wenn so ein weggelaufener Sklave gefasst wurde, dann musste er damals im römischen Reich mit der Todesstrafe rechnen. Oder, wenn sein Herr ganz großzügig war und ihm die Todesstrafe ersparen wollte, wurde einem flüchtigen Sklaven, der eingefangen wurde, mit glühendem Eisen auf die Stirn ein großes „F“ gebrannt. „F“ steht für das lateinische Wort fugitivus, das heißt flüchtig. Damit war so ein Sklave, der geflüchtet war und wieder gefasst wurde, im buchstäblichen Sinn für sein ganzes Leben gebranntmarkt. Der Onesimus, dieser geflüchtete Sklave, kommt auf seiner Flucht mit Paulus zusammen, wie, das wissen wir nicht. Paulus sitzt zu der Zeit im Gefängnis. Und jetzt geschieht das Eigenartige. Durch die Begegnung mit dem Apostel Paulus bekehrt sich der Onesimus. Und in dem Augenblick wo er sich bekehrt, da ist er zwar noch immer Sklave, flüchtiger Sklave, aber da wird auch er dem Paulus ein Bruder, genauso wie der Philemon.
Das ist das Geheimnis der christlichen Gemeinde, dass auf einmal die sozialen Unterschiede, hier die Herren, dort die Sklaven, dass diese sozialen Unterschiede nicht mehr greifen. Da ist man auf einmal nicht mehr Herr oder Sklave, sondern da sind beide auf der Ebene „in Christus“ Brüder geworden. Da gehört man gleichsam zu einer neuen Familie. Genau das war mit Philemon und Onesimus geschehen. Hier ist eine wichtige Situation beschrieben, man könnte gleichsam sagen, es ist die Form einer christlichen Revolution. Als der Paulus den Onesimus zu seinem Herrn Philemon zurückschickt, da schickt er ihn nicht zurück mit einem Schreiben: „Nimm ihn wieder als Sklaven an und begnadige ihn.“ Nein, er schickt ihm den Philemon zurück als einen Bruder. Als Christ darf der Philemon dem Onesimus und der Onesimus dem Philemon begegnen wie ein Bruder dem anderen. Im ersten Brief an die Korinther, im siebten Kapitel schreibt Paulus: „Wenn du als Sklave berufen wurdest, soll dich das nicht bedrücken; auch wenn du frei werden kannst, lebe lieber als Sklave weiter. Denn wer im Herrn als Sklave berufen wurde, ist Freigelassener des Herrn. Ebenso ist einer, der als Freier berufen wurde, Sklave Christi.“ (1 Kor 7,21-22)
Es gibt nicht mehr den Unterschied, Sklaven und Herren, sondern es gilt: Ihr alle seid Brüder und Schwestern in Christus Jesus.
Hier liegt eines der tiefen Geheimnisse, warum das Evangelium von Jesus Christus, sich in der Urgemeinde so explosionsartig verbreitet hat. Weil auf einmal diese sozialen Unterschiede, diese Standesunterschiede, die uns bis in unsere Zeit hinein ja so zu schaffen machen, weil die auf einmal aufgehoben sind auf einer neuen Ebene, auf der Ebene des Lebens „in Christus“. Und das hat ja praktische Konsequenzen. Wenn die Gemeinde zusammen Abendmahl gefeiert hat, ein Liebesmahl, eine Agape, dann hat am gleichen Tisch der Herr und der Sklave gesessen. Der Herr blieb Herr, und der Sklave blieb Sklave. Und trotzdem sitzen sie an einem Tisch. Für damalige Verhältnisse war das undenkbar. Aber es ist denkbar auf dieser neuen Ebene „in Christus“.
Bis in unsere Zeit hinein sind solche sozialen Unterschiede, solche Standesunterschiede, offen oder unterschwellig, immer noch irgendwo da. Und es kostet so viel Kraft, diese Unterschiede zu überwinden. Hier gibt uns das Neue Testament eine Richtung an, die wir suchen müssen, um diese Unterschiede zu überwinden: Lasst uns eins werden in Christus. Wenn er die Mitte ist, dann gilt das, was Paulus im Galaterbrief schreibt, am Ende des dritten Kapitels: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus.“ (Gal 3,28)
Die Sklavenfrage ist heute bei uns nicht akut. Auch die Frage „Juden und Griechen“, Judenchristen und Heidenchristen, die ist bei uns nicht akut. Aber eine andere Frage, die Paulus hier so beiläufig anschneidet, die ist ja auch bei uns in aller Munde. Die Frage: Wie ist das eigentlich mit der Würde von Mann und Frau, wie ist das eigentlich mit der Gleichberechtigung von Man und Frau auch in der Kirche. Hier schreibt Paulus ganz schlicht: Mann ist Mann, Frau ist Frau, aber es gibt da keinen qualitativen Unterschied. Man muss nicht streiten, wer in der Wertigkeit mehr ist und wer weniger ist. Man muss nicht um Rangunterschiede kämpfen. „Ihr alle seid eins in Jesus Christus.“ Da ist man nicht mehr höher oder niedriger, mehr wert oder weniger wert, sondern da ist man miteinander Bruder und Schwester.
Paulus schickt den Onesimus an Philemon zurück, den Sklaven an seinen Herrn. Und doch, er schickt den Bruder zu seinem Bruder. Das ist christliche Revolution, wenn man so will. Nicht mehr der Unterschied Sklave und Freier, Jude und Grieche, Mann und Frau, sondern ihr alle seid eins in Christus. Ob sich die ganze Frage in unserer Gesellschaft und auch in unserer Kirche um die Stellung von Mann und Frau nicht eine ganze Portion entkrampfen würde, wenn wir diesen Weg einschlagen: Eins zu werden in Christus.
Simon Magus – Glaube oder AberglaubeApg 8,5-25
In der Impulsreihe „Kleine Leute im Neuen Testament“ wollen wir uns heute mit einem Mann beschäftigen, der den Namen „Simon“ hat. Gemeint ist aber nicht Simon Petrus. Simon Petrus ist ja einer der Großen im Neuen Testament. Dieser „kleine“ Simon begegnet uns in der Apostelgeschichte. Meistens wird er genannt „Simon Magus“. Aber hören wir zunächst einmal den Text aus dem achten Kapitel der Apostelgeschichte. Wir werden hineingeführt in eine Situation, als das Evangelium nach Samarien kommt. Da entsteht in Samarien ein großer geistlicher Aufbruch.
„Philippus aber kam in die Hauptstadt Samariens hinab und verkündigte dort Christus. Und die Menge achtete einmütig auf die Worte des Philippus; sie hörten zu und sahen die Wunder, die er tat. Denn aus vielen Besessenen fuhren unter lautem Geschrei die unreinen Geister aus; auch viele Lahme und Krüppel wurden geheilt. So herrschte große Freude in jener Stadt. Ein Mann namens Simon wohnte schon länger in der Stadt; er trieb Zauberei und verwirrte das Volk von Samarien, da er sich als etwas Großes ausgab. Alle hörten auf ihn, jung und alt, und sie sagten: Das ist die Kraft Gottes, die man die Große nennt. Und sie schlossen sich ihm an, weil er sie lange Zeit mit seinen Zauberkünsten betörte. Als sie jedoch dem Philippus Glauben schenkten, der das Evangelium vom Reich Gottes und vom Namen Jesu Christi verkündete, ließen sie sich taufen, Männer und Frauen. Auch Simon wurde gläubig, ließ sich taufen und schloss sich dem Philippus an; und als er die großen Zeichen und Wunder sah, geriet er außer sich vor Staunen. Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, schickten sie Petrus und Johannes dorthin. Diese zogen hinab und beteten für sie, sie möchten den Heiligen Geist empfangen. Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur auf den Namen Jesu, des Herrn, getauft. Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist. Als Simon sah, dass durch die Handauflegung der Apostel der Geist verliehen wurde, brachte er ihnen Geld und sagte: Gebt auch mir diese Macht, damit jeder, dem ich die Hände auflege, den Heiligen Geist empfängt. Petrus aber sagte zu ihm: Dein Silber fahre mit dir ins Verderben, wenn du meinst, die Gabe Gottes lasse sich für Geld kaufen. Du hast weder einen Anteil daran noch ein Recht darauf, denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott. Wende dich von deiner Bosheit ab, und bitte den Herrn; vielleicht wird dir dein Ansinnen vergeben. Denn ich sehe dich voll bitterer Galle und Bosheit. Da antwortete Simon: Betet ihr für mich zum Herrn, damit mich nichts von dem trifft, was ihr gesagt habt. Nachdem sie so das Wort des Herrn bezeugt und verkündet hatten, machten sie sich auf den Weg zurück nach Jerusalem und verkündeten in vielen Dörfern der Samariter das Evangelium.“ (Apg 8,5-25)
Wenn unsere Impulsreihe heißt: „Kleine Leute im Neuen Testament“, dann hat auf den ersten Blick der Simon Magus in dieser Reihe nichts zu suchen. Denn er sagt von sich selbst, dass er ein Großer sei. Alle die vielen Menschen, die ihm nachlaufen, sagen: Das ist die große Kraft Gottes, die sichtbar wird. Simon ein Großer oder ein Kleiner? Wir wollen uns diesen Simon einmal näher anschauen.
Er hat in der Kirchengeschichte den Namen bekommen „Simon Magus“. Dieses Wort Magus hängt zusammen mit unserem Fremdwort Magier. Er trat damals in Samarien als Zauberer auf. Er war jemand, der Okkultismus betrieb. So ähnlich betreiben heute auch viele Menschen in unserer Gesellschaft Okkultismus, durch Karten legen, durch Pendeln, durch Handlesen, dass man mit Toten Kontakt aufnimmt. Vielleicht haben sie von diesen Dingen alle schon einmal gehört. Vielleicht haben sie selbst auch schon einmal damit Erfahrungen gemacht. Alle diese Dinge sind von Gott im Alten Testament aufs Schärfste verurteilt worden. Jeder, der sich solchen Praktiken hingibt, treibt Götzendienst. Hier, dieser Simon Magus war so jemand, der auf wunderbare Weise Menschen heilen konnte. Und natürlich, wenn er Zeichen und Wunder wirkt, wenn Krafttaten sichtbar werden, Magie und Zauberei, wenn sogar Kranke geheilt werden, natürlich strömen dann die Leute zu ihm hin. Das wollen die Leute sehen. Das ist heute genauso wie damals. Und wenn ein solcher Mensch dann auch noch (damals wie heute) den Namen Gottes dabei anruft, dann muss doch in einem solchen Menschen die Kraft Gottes sichtbar werden, die große Kraft Gottes.
Aber, wir werden in diesem Bericht noch merken: Vorsicht, dem ist nicht so! In diese Stadt Samarien, wo Simon als Zauberer wirkte und viele Menschen um sich scharte, kommt nun Philippus. Philippus ist einer der „Sieben“, die man die Diakone nennt. (vgl. Apg 6,1-7) Er verkündet das Evangelium, er verkündet die Botschaft von Jesus Christus. Und dann geschehen, äußerlich vielleicht ähnlich, Zeichen und Wunder durch seine Hände. Aus vielen Besessenen fahren die unreinen Geister aus. Lahme und Krüppel werden geheilt. Und es entsteht eine große Freude in der Stadt Samarien. Alle Leute, die bisher dem Zauberer Simon nachgelaufen waren, die halten sich nun an Philippus. Und als Philippus ihnen gesagt hat, sie sollen sich taufen lassen auf den Namen Jesu, da lassen sich Scharen von ihnen taufen, weil sie die Zeichen und Wunder sahen, die Philippus wirkte. Unter denen, die gläubig werden und sich taufen lassen, ist auch Simon. Er lässt sich taufen. Aber eins hat der Simon nicht verstanden, dass es bei der Taufe nicht darum geht, sich an einen Menschen zu hängen, bei dem man etwas erleben kann, bei dem die Kraft Gottes sichtbar wird. Er hat im tiefsten nicht verstanden, dass mit der Taufe eine Bekehrung des Herzens einhergehen muss. Er lässt sich taufen und schließt sich eng an Philippus an.
Zweiter Akt in diesem Geschehen. Dass in Samarien eine große geistliche Erneuerungsbewegung aufgebrochen war, wird den Aposteln in Jerusalem bekannt. Sie schicken Petrus und Johannes dort hin. Die kommen nach Samarien und freuen sich mit den Vielen, die gläubig geworden sind. Aber sie spüren: Diese Menschen sind zwar alle getauft, aber sie haben den Heiligen Geist noch nicht empfangen.
Hier einmal eine Zwischenfrage: Woran haben Petrus und Johannes das denn gemerkt? Woran konnte man das merken, ob sie den Heiligen Geist empfangen hatten oder auch nicht? War das damals ganz klar erkennbar?
Petrus und Johannes sehen und erleben: Die Menschen, die hier gläubig geworden sind und sich haben taufen lassen, die haben den Heiligen Geist noch nicht empfangen. Und dann legen Petrus und Johannes den Leuten die Hände auf. Sie beten für sie, und die Vielen, denen sie die Hände aufgelegt haben, empfangen den Heiligen Geist.
Jetzt schauen wir uns wieder den Simon an, den Simon Magus. Er sieht, dass die Apostel den Leuten die Hände auflegen, für sie beten, und dass durch die Handauflegung der Apostel den Menschen der Heilige Geist verliehen wird. Und vielleicht war damit verbunden eine große Freude, eine große geistliche Freiheit. Vielleicht haben die Menschen damals auch Gott gelobt in fremden Sprachen, so wie es die Apostel am Pfingstfest getan haben. Woran konnte man das merken? Als Simon Magus das merkt, der Heilige Geist wird verliehen durch die Handauflegung der Apostel, da geht er zu Johannes und Petrus und sagt: Ich will euch Geld geben, wenn ihr mir auch diese Vollmacht gebt, dass jeder den Heiligen Geist empfängt, dem ich die Hände auflege. Er glaubt, die Gabe Gottes kaufen zu können. Und hier an diesem Punkt wird deutlich: Simon hat im tiefsten nicht verstanden, worum es dem Philippus ging. Bekehrung des Herzens, davon war er meilenweit entfernt. Er sah nur die Möglichkeit, sein Geschäft zu vergrößern, dass er wieder „der Große“ war. Er wollte wieder der Große sein. Ich biete euch viel Geld, wenn ihr mir die Vollmacht gebt, dass jeder, dem ich die Hände auflege, den Heiligen Geist empfängt.
Petrus hat die Gabe der Unterscheidung. Er sagt dem Simon: Dein Geld fahre mit dir in die Hölle. Dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott. Du hast geglaubt, die Gabe Gottes mit Geld kaufen zu können. Du hast kein Recht, du hast keinen Anteil. Das ist eine scharfe Sprache. Aber diese scharfe Sprache ist notwendig, wenn man es mit Menschen zu tun hat, die die Bekehrung des Herzens verweigern und darauf aus sind, ihr Geschäft zu vergrößern.
Im Neuen Testament begegnen wir dem Simon Magus nie wieder. Aber vierzig Jahre später gibt es einen Kirchenvater Justin, einen Märtyrer, der kommt auch aus Samarien. Der hat den Simon Magus noch gekannt. Und der berichtet über diesen Simon, dass er später total vom Glauben abgefallen ist, dass er eine Sekte aufgemacht hat, dass er die Menschen an sich gezogen hat, total von Christus weg. Er hat die Menschen verführt, Unzucht zu treiben und Götzendienst zu treiben. Wo Gläubigwerden nur eine Frage des Geschäftes, des Geldes ist, wo damit nicht eine wirkliche Bekehrung des Herzens einhergeht, da läuft man in die Irre.
Dieser Bericht über Simon Magus hinterlässt bei mir einige Fragen, die ich ihnen auch noch mitgeben möchte. Eine erste Frage: In der Kirchengeschichte hat es ein Stichwort gegeben, das Sie vielleicht auch schon einmal gehört haben, das Stichwort „Simonie“. Das kommt von diesem Simon dem Magier. Simonie liegt dann vor, wenn man versucht, sich geistliche Ämter, geistliche Vollmacht mit Geld zu erkaufen. Das hat es in der Kirchengeschichte, in der katholischen Kirche im Laufe der Jahrhunderte manches Mal gegeben. Aber hier steht uns Simon Magus als warnendes Beispiel vor Augen. Nicht umsonst ist Simonie, der Kauf von geistlichen Ämtern aufs Schärfste verboten und untersagt. Es ist eine Sache, die in sich unmöglich ist.
Aber es sind noch einige andere Fragen, die sich für mich mit dieser Geschichte von Simon Magus verbinden: Wir erleben ja heute auch, dass abergläubigen Praktiken auf breiter Front gehandhabt werden: Kartenlegen, Handlesen, Pendeln, Tischrücken, Gläserrücken, Totenbeschwörung, bis hin zu Schwarzen Messen. Kann es sein, dass diese abergläubigen Praktiken deshalb so blühen, weil wir als Christen die wirkliche Kraft Gottes, nämlich den Heiligen Geist so wenig sichtbar werden lassen. Gott hat uns durch die Gabe des Heiligen Geistes eine große Vollmacht zugedacht, und wir nutzen sie oft gar nicht. Wir leben oft so, als ob es diese Kraft des Heiligen Geistes gar nicht gibt. Es bringt nicht viel, gegen Aberglauben anzukämpfen. Das Wichtigere ist, dass wir den Menschen ein vollmächtiges Christsein vorleben, ein Christsein aus der Fülle des Heiligen Geistes heraus.
Eine weitere Frage, die sich für mich aus dieser Geschichte ergibt: Damals konnte man ganz offensichtlich merken, ob jemand den Heiligen Geist empfangen hatte. Vielleicht geschah das dadurch, dass die Menschen in fremden Sprachen gebetet haben; das war am Pfingsttag in Jerusalem so, das gibt es ja heute auch. Oder woran man das sonst erkennen konnte, ich weiß das auch nicht. Aber auf jeden Fall war es eindeutig zu erkennen. Wir spüren das an vielen Stellen in der Apostelgeschichte, dass etwa Paulus, oder seine Mitarbeiter genau erkennen konnten, ob jemand vom Heiligen Geist erfüllt war oder nicht. Die Frage lässt mich nicht los: Warum wird der Heilige Geist, der uns allen doch in der Taufe verliehen ist, warum wird der so wenig sichtbar? Was ist da los in unserem Christsein, dass man zwar daran glauben soll, dass uns der Heilige Geist verliehen ist, aber man spürt so wenig davon? Rechnen wir vielleicht zu wenig mit der Kraft des Heiligen Geistes? Praktizieren wir sie nicht genug? Woran liegt das?
Und schließlich eine letzte Frage, die mir sehr drängend auf dem Herzen liegt: Hier ist ein Mann, der Simon. Er hat sich taufen lassen, ohne dass er sich bekehrt hat. Und er fällt hinterher total von diesem Weg wieder ab und geht einen Irrweg. Heute haben wir Scharen von Christen, die getauft sind, die alle einen Taufschein haben. Und wir haben Scharen von Christen, die geistlich wieder abrutschen. Sei es, dass sie definitiv aus der Kirche austreten, sei es, dass sie so leben, als gäbe es Gott gar nicht. Kann es vielleicht an Folgendem liegen: dass wir zwar alle getauft sind, aber hat es in unserem Leben wirklich einmal eine Bekehrung gegeben? Einen ganz bewussten Schritt der Umkehr des Herzens. Ich weise in diesem Zusammenhang einmal darauf hin, dass in vielen Erneuerungsbewegungen auch heute in der Kirche einer der wesentlichen Schritte ist, die Menschen zur Tauferneuerung hinzuführen, zu einer Bekehrung, zu einer Umkehr des Herzens. Vielleicht haben Viele diesen Schritt nötig. Hat es in Deinem Leben einmal wirklich eine Bekehrung gegeben? Fragen über Fragen, aber nehmen sie diese Fragen einmal heute mit in eine stille Zeit hinein. Und wenn sie vielleicht einmal eine stille Stunde haben, ein bisschen Zeit, dann denken sie über diese Fragen einmal nach.
Nur ein paar FrauenLk 8,1-3
Kleine Leute im Neuen Testament, das ist das Thema dieser Impulsreihe. Heute stehen im Mittelpunkt unserer Betrachtungen: „Nur ein paar Frauen“. Zu Beginn lesen wir die ersten drei Verse aus dem achten Kapitel des Lukasevangeliums:
„In der folgenden Zeit wanderte er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und verkündete das Evangelium vom Reich Gottes. Die Zwölf begleiteten ihn, außerdem einige Frauen, die er von bösen Geistern und von Krankheiten geheilt hatte: Maria Magdalene, aus der sieben Dämonen ausgefahren waren: Johanna, die Frau des Chuzas, eines Beamten des Herodes, Susanna und viele andere. Sie alle unterstützten Jesus und die Jünger mit dem, was sie besaßen.“ (Lk 8,1-3)
Ich muss gestehen, ein aufregender Abschnitt ist das nicht gerade. Es ist so ein zusammenfassender Bericht, von denen es in den Evangelien viele gibt. Dass Jesus von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf gegangen ist und das Evangelium verkündet hat, und dass die Zwölf ihn begleiteten - einfach ein zusammenfassender Bericht. Dass Jesus als Rabbi von seinen Jüngern, von den Zwölf auf seiner Wanderung begleitet wurde, das war nichts Ungewöhnliches. Jeder Rabbi hatte damals seine Jünger, die um ihn herum waren und die ihn begleiteten. Aber dass sich in dieser Schar der Jünger um Jesus auch Frauen befinden, das ist für die damalige Zeit schon etwas Außergewöhnliches. Das Judentum ist noch bis in unsere Zeit hinein eine Männerreligion. Dass sich Jesus um Frauen kümmert, dass er Umgang hat mit Frauen, dass er sogar Frauen in seine Jüngerschaft beruft, das ist etwas völlig Außergewöhnliches.
Vielleicht kennen sie die Geschichte von der Samariterin am Jakobsbrunnen im vierten Kapitel des Johannesevangeliums. Da trifft Jesus in der glühenden Mittagshitze am Brunnen eine Frau, eine Samariterin. Und er, der Rabbi, spricht diese Frau an. Er unterhält sich mit ihr. Das war total ungewöhnlich. Die Jünger waren gerade einkaufen gegangen, Jesus war ganz alleine. Und als die Jünger zurückkommen, wundern sie sich. Ausdrücklich steht das da: Da wundern sie sich, dass er mit einer Frau sprach. Das war damals total unüblich.
Wenn man das dann noch bedenkt, was das für Frauen waren, die ihn (nach Lk 8) begleitet haben. Da ist eine Maria Magdalena; aus der hatte Jesus sieben Dämonen ausgetrieben. Dann eine Frau, von der wird gesagt, sie war die Frau eines Beamten von König Herodes. Hier zeigt sich, dass Jesus offensichtlich Anhänger, Jünger und auch Jüngerinnen selbst in den höheren Kreisen hatte, in der Beamtenschaft des Königs Herodes. Eine Susanna wird noch erwähnt und noch viele andere.
Und dann steht da noch so ein kleiner Satz dabei: „Sie unterstützten Jesus und die Jünger mit dem was sie besaßen.“ Hier wird so beiläufig erwähnt, wovon Jesus gelebt hat. Ich habe früher oft überlegt, wovon Jesus eigentlich gelebt hat, wenn er von Ort zu Ort gezogen ist und das Evangelium vom Reich Gottes gepredigt hat. Von Paulus wissen wir, dass er mit seinen Händen gearbeitet hat, er war Zeltmacher. Hier erfahren wir, dass es offensichtlich eine Gruppe von Frauen gegeben hat, vielleicht sogar von begüterten Frauen - in den höheren Beamtenkreisen war man ja damals auch nicht arm - die Jesus und seine Jünger mit ihrem Vermögen unterstützten.
Wenn man das Lukasevangelium weiterliest, dann ist von diesen Frauen, die hier am Anfang des achten Kapitels so beiläufig erwähnt werden, noch an einigen markanten Stellen die Rede. Und immer kommen sie nur so beiläufig vor.
Als Jesus gekreuzigt wird, da ist von den Aposteln, von den Zwölfen, außer Johannes keiner dabei. Die sind alle abgehauen. Aber diese Frauen, die ihm von Galiläa her gefolgt waren, die standen von ferne und schauten zu. Die waren da, die waren nicht abgehauen. Sie stehen von ferne und erleben mit, wie Jesus gekreuzigt wird. Wiederum, sie stehen nicht im Zentrum des Geschehens, sie stehen irgendwo abseits, aber sei sind da.
Als dann Josef von Arimathäa zu Pilatus geht und um den Leichnam Jesu bittet, und als der Leichnam Jesu dann vom Kreuz abgenommen wird, da heißt es wieder: Diese Frauen, die ihm von Galiläa her gefolgt waren, standen dabei und sahen zu. Sie sahen auch das Grab, wo Jesus bestattet wurde. Wiederum, sie haben kein Geld gespendet für das Grab. Sie haben auch nicht mitgeholfen, sie waren einfach nur da. Sie kehren dann nach Hause zurück, weil man ja wegen der Sabbatruhe den Leichnam Jesu nicht mehr einbalsamieren durfte. Sie haben sich als gläubige Jüdinnen an das Gebot der Sabbatruhe gehalten. Sie haben nicht dagegen aufbegehrt, sie sind einfach nach Hause gegangen und haben die Sabbatruhe eingehalten.
Aber dann am Ostermorgen, in aller Herrgottsfrühe, bei der ersten Gelegenheit, da sind es wieder diese paar Frauen, die zum Grab gehen und Jesus den letzten Liebesdienst erweisen wollen, nämlich ihn einzubalsamieren.
Und jetzt geschieht das Großartige: Diese paar Frauen, die immer nur eine Randexistenz waren, die nie im Zentrum des Geschehens standen, die werden von Gott gewürdigt, die ersten Zeugen der Auferstehung Jesu zu sein. Sie sind es, die vom Engel die Botschaft hören: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Schaut die Stelle, wo er gelegen hat.“ Sie sind die ersten, die diese Botschaft von der Auferstehung erfahren.
Und diese paar Frauen sind auch die ersten Verkündiger der Auferstehungsbotschaft. Sie sind es, die zu den Aposteln, zu den Männern hingehen, und ihnen sagen: „Der Herr ist auferstanden, wie er gesagt hat.“ Sie sind die ersten Prediger, die ersten Verkündiger der Auferstehungsbotschaft. Und wenn da das Wort steht: Sie „verkündeten“ alles den Elf und den übrigen, dann ist dieses Wort „verkünden“ das gleiche Wort, das von Jesus gesagt wird: Er „verkündete“ das Evangelium vom Reich Gottes. Die Frauen sind die ersten Prediger, die diese Botschaft den Menschen sagen.
Und dann kommt so eine typische kleine Nebenbemerkung. „Doch die Apostel hielten das alles für Geschwätz und glaubten ihnen nicht.“ Wer glaubt schon ein paar Frauen. Aber Gott hat sie gewürdigt, die ersten Prediger der Auferstehungsbotschaft zu sein.
Übrigens, als später das Evangelium, die Botschaft von Jesus Christus, zum ersten Mal nach Europa kommt, als Paulus auf seiner Missionsreise europäischen Boden betritt und nach Philippi kommt, da sind es wieder nur ein paar Frauen, die Paulus am Fluss in Philippi findet. Denen verkündet er das Evangelium. Und dann ist es eine Frau, nämlich die Lydia, von der es heißt: „Gott schloss ihr das Herz auf, dass sie genau auf die Worte des Paulus aufmerkte.“ Was wäre aus dem Evangelium geworden, wenn Paulus diese paar Frauen nicht am Fluss in Philippi getroffen hätte. Wenn Gott ihnen nicht das Herz aufgeschlossen hätte für die Botschaft des Evangeliums.
Wenn wir das sehen, dass diese Frauen die ersten Verkünder der Auferstehungsbotschaft sind, - es mag sein, dass der Papst recht hat, wenn er sagt, dass Jesus keine Frauen zu Aposteln berufen hat. Es mag sein, dass es nicht im Willen Gottes ist, dass Frauen Priester werden. Ich will darüber nicht streiten und diskutieren. Aber eins ist auch richtig: Die ersten Prediger der Auferstehung, dazu hat Gott sich ein paar Frauen auserwählt, nicht die Apostel.
Und ich denke schon, dass das für unsere Zeit heute wichtige Konsequenzen haben kann: Dass wir der Frau gerade im Verkündigungsdienst wieder einen Platz einräumen müssen und dürfen, der ihr von Gott her zukommt.
Ich will auch nicht darüber streiten, ob Frauen in der heiligen Messe predigen dürfen. Vielleicht ist das nicht im Plan Gottes. Aber, statt uns immer daran zu reiben, was Frauen nicht dürfen, sollten wir vielleicht auch einmal die Chancen entdecken und voll ausnützen, wo Frauen heute Verkündigungsdienst tun dürfen. Ich möchte alle Frauen ermutigen, alle Mütter ermutigen, ihren Kindern die Botschaft von Jesus Christus zu verkündigen. Vielleicht in einer ganz einfachen Weise dadurch, dass man den Kindern Jesusgeschichten erzählt. Wenn Frauen heute im Dienst der Katechese stehen, in der Vorbereitung auf die Erstbeichte, auf die Erstkommunion, auf die Firmung, das ist Verkündigungsdienst. Das ist nicht nur ein Dienst, wo man ein paar Bildchen ausschneidet oder ausmalt. Wir dürfen diesen Dienst als Verkündigungsdienst verstehen, wo Jesus besonders auch Frauen berufen hat, seine Botschaft in die Herzen der Kinder und Jugendlichen zu pflanzen.
Vielleicht ist es auch gut, in diesem Zusammenhang einmal darauf hinzuweisen, dass es in der Kirche ja nicht nur die Eucharistiefeier als einzige Form des Gottesdienstes gibt. Gut, sie ist sicher der Höhepunkt. Aber sollten wir nicht entdecken, dass die vielfältigen Formen von Wortgottesdiensten wieder gepflegt werden, wo eben auch Frauen den Dienst der Verkündigung tun dürfen, und tun sollten!? Man darf nicht abwertend sagen: Das ist ja „nur“ ein Wortgottesdienst. Es ist eine Chance die wir haben, gerade im Wortgottesdienst, wo das Wort im Mittelpunkt steht und die Verkündigung des Wortes.
Ich kenne so viele Frauen, die in ihrem Herzen einen Schatz tragen, den Gott ihnen anvertraut hat, einen Schatz des Evangeliums. Frauen, die im tiefsten Herzen eine Berufung zur Verkündigung haben. Wir sollten in unseren Kirchen viel mehr Gelegenheiten suchen und schaffen, um solchen Menschen, sowohl Männern wie Frauen, die Gelegenheit zu geben, anderen die frohe Botschaft zu sagen.
Gott hat den Frauen eine große Würde gegeben. Gott hat den Frauen, diesen einfachen Frauen die Botschaft von der Auferstehung anvertraut, damit sie den Aposteln, den Männern diese Botschaft verkünden. Gott hat auch uns heute, Männern wie Frauen, diese Botschaft anvertraut, damit wir sie weitersagen.
Barabbas – Sein Kreuz ist mein Kreuz
Mk 15,6-15
In Jerusalem im Gefängnis sitzt ein junger Gefangener. Er war Straßenräuber und Mörder. Heute würde man sagen: Er war ein Terrorist. Die Soldaten hatten ihn gefangen. Er war vom Gericht verurteilt worden: Todesstrafe durch Kreuzigung. Jetzt sitzt er in seiner Gefängniszelle auf dem Boden und wartet jeden Tag darauf, dass man ihn holt. Sein Name ist Barabbas.
Es war Freitag Mittag. Da hört er, wie draußen auf dem Gang ein Gefängniswärter mit seinem großen Schlüsselbund klappert und den Schlüssel in die Zellentür steckt. Die Tür geht auf: „Bist du Barabbas?“ „Ja!“ „Dann pack deine Sachen und hau ab. Du kannst gehen!“ „Aber ich bin doch Barabbas. Ich soll doch gekreuzigt werden. Du willst doch nicht jetzt noch Scherze mit mir machen. Du musst dich vertan haben.“ „Wenn du Barabbas bist, dann pack deine Klamotten und geh! Du bist freigelassen.“ „Ja, aber warum denn? Ich bin doch verurteilt.“ „Interessiert mich nicht. Ich habe Befehl, dich freizulassen. Geh!“
In aller Eile packt Barabbas seine wenigen Sachen zusammen. Bevor er lange überlegen kann, steht er draußen vor dem Gefängnistor auf der Straße. Auf der Straße draußen ist ein großer Menschenauflauf. Hunderte, ja vielleicht Tausende laufen schreiend durch die Gassen zum Stadttor. Barabbas kann sich fast nicht wehren. Er muss einfach mitlaufen. Draußen vor dem Stadttor liegt ein kleiner Hügel. Er war oben ganz kahl, wie ein Totenschädel. Darum hieß dieser Hügel in Jerusalem nur ‚Schädelstätte’. Da oben fanden immer die Kreuzigungen statt. Jetzt strömte die Menschenmenge zur Schädelstätte, und Barabbas ließ sich einfach in der Menge mitziehen.
Oben auf der ‚Schädelstätte’ standen drei Kreuze. Die Menschenmenge traute sich nicht, bis unter die Kreuze zu gehen. Sie hatten Angst vor den römischen Soldaten. Aber Barabbas geht bis unter die drei Kreuze und schaut hinauf. Zuerst schaut er den Gekreuzigten auf der rechten Seite an. „Ja“, brummt er vor sich hin, „der war auch dabei, als wir beim Straßenraub erwischt wurden. Jetzt hängt er da.“ Dann schaut er auf das linke Kreuz: „Den kenn ich auch. Der hat mit uns gemeinsame Sache gemacht. Jetzt muss er büßen.“
Dann schaut er den in der Mitte an. Er schaut ihn lange an. „Den kenn ich gar nicht“, denkt er. Er fragt einen, der auch unter den Kreuzen steht: „Wer ist denn der in der Mitte?“ „Das ist Jesus von Nazareth.“ „Und warum hängt der da am Kreuz? Was hat der denn verbrochen?“ „Verbrochen hat der eigentlich nichts. Pilatus, der Statthalter, hat bei der Verhandlung ausdrücklich gesagt: Ich finde keine Schuld an ihm“. „Und warum haben sie ihn dann gekreuzigt, wenn er nichts getan hat?“
Da schaut ihn der Mann an und sagt: „Warst du denn nicht eben bei der Verhandlung vor dem Palast des Pilatus? Pilatus wollte ihn freilassen, weil er nichts getan hat. Aber die ganze Menge hat geschrien: ‚Barabbas soll freigelassen werden! Jesus soll ans Kreuz!’ Sie haben so lange geschrien, bis Pilatus ihrem Geschrei nachgegeben hat. Darum hängt der hier.“
Da schossen dem Räuber und Mörder Barabbas die Tränen in die Augen. Er schaute lange zum Kreuz in der Mitte hoch. Auf einmal wurde ihm klar: Das Kreuz in der Mitte ist eigentlich das Kreuz für mich. Wenn der nicht da hängen würde, dann würde ich jetzt da hängen. Sein Kreuz ist mein Kreuz.
Es ist gut, wenn wir Menschen uns unter das Kreuz Jesu stellen, zu ihm, dem Gekreuzigten aufschauen und dann entdecken: Sein Kreuz ist mein Kreuz. Vielleicht lernen wir dann wieder neu die Liedstrophe singen:
Was du, Herr, hast erduldet, ist alles meine Last. Ich, ich hab es verschuldet, was du getragen hast. Schau her, hier steh ich Armer, der Zorn verdienet hat. Gib mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad. (Gotteslob Nr. 179,4)
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